
Die geplante Hallesche Sommerhäuser- und Lauben-Niederlassung am Rand der Dölauer Heide
Die Geschichte der Kolonie Waldheil beginnt im Jahre 1909 mit dem schriftlichen Aufruf des Hallenser Juweliers und Vorsitzenden des Heide-Vereins Franz Robert Tittel zur Errichtung einer Laubenkolonie am Rande der Heide auf der Flur der heutigen Saalekreisgemeinde Lieskau. Inspiriert durch die neu entstandene "Gartenstadtbewegung" und Vorbilder im thüringischen Rudolstadt entwicklelte er die Idee, auch für die Hallenser Bürger eine stadtnahe Erholungsstätte in der Natur zu schaffen.
Die folgenden Seiten geben einen kurzen Abriss der Geschichte der Kolonie Waldheil.
Gliederung:
Juwelier Franz Tittel als Initiator
Auseinandersetzungen vor dem Baubeginn
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Waldheils ist im Juli 2009 ein Buch "100 Jahre Waldheil" von der IG Waldheil herausgegeben worden, das über die Entwicklung seit 1909 berichtet. Das Buch kann bei der IG Waldheil erworben werden.
Interessengemeinschaft Waldheil e.V.Die Interessengemeinschaft Waldheil e.V. ist eine Interessenvertretung von Anwohnern, die im Gebiet der ehemaligen Garten- und Laubenkolonie „Waldheil“ in Lieskau (jetziger Saalekreis) in Sachsen-Anhalt ansässig sind.
Der Verein wurde am 16. März 2000 beim Amtsgericht Halle-Saalkreis angemeldet. Die Satzung wurde am 31. Juli desselben Jahres beschlossen.
Der Vereinsname geht auf den von 1909 bis 1947 bestehenden Verein Waldheil e.V. zurück. Dieser entstand seinerzeit auf Initiative des Halleschen Juweliers Franz Tittel. Mit der Bebauung des Gebietes mit Lauben und Sommerhäusern sollten die Hallenser Stadtbewohner eine preiswerte Möglichkeit bekommen, sich stadtnah in der gesunden Luft der Dölauer (Halleschen) Heide zu erholen.
Wie der ursprüngliche Verein verfolgt die Interessengemeinschaft Waldheil e.V. ausschließlich gemeinnützige Zwecke. Als Ziele nennt der Verein in seiner Satzung:
und aller damit in Zusammenhang stehenden Maßnahmen.
Im Rahmen dieser Zielstellung beteiligte sich die Interessengemeinschaft Waldheil e.V. am Projekt „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ des Landes Sachsen-Anhalt mit der Bezeichnung „Erschließung historisch bedeutsamer regionaler Kulturgüter“. Die Mittel für dieses Projekt wurden vom Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt. Mit der Dokumentation ihrer Entstehung und Entwicklung soll die Kolonie „Waldheil“ wieder neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerufen werden und die Bedeutung der Dölauer Heide als beliebtes Naherholungsgebiet für die Bewohner der Stadt Halle (Saale) und des Saalekreises herausgestellt werden.
Weiterführende Informationen:
Satzung
Vorstandsmitglieder
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Erlenweg 1
06120 Lieskau
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Interessengemeinschaft Waldheil e.V.
Das Landschaftsschutzgebiet Dölauer Heide ist eines der wichtigsten Naherholungs- und Wandergebiete für die Stadt Halle an der Saale und ihre Umgebung. In der Literatur wird sie z. T. auch als "Hallesche" oder veraltet als "Hallische Heide" bezeichnet. Mit ihrer heutigen Größe von ca. 740 ha ist sie das einzige größere zusammenhängende Waldgebiet der Region. Ein gut ausgebautes Fuß-, Reit- und Radwegenetz sowie Spiel- und Turnplätze ermöglichen zahlreiche Formen der naturnahen Freizeitbeschäftigung.
Das Heidegebiet wird im Osten und Norden vom Saaletal umschlossen und zeichnet sich durch ein niederschlagsarmes, wintermildes und sommerwarmes Klima aus. Etwas höher als die Stadt Halle gelegen, bietet sie den Hallensern im Sommer eine angenehme Frische. Am Südrand der Heide bei Nietleben befindet sich der durch Flutung eines Braunkohletagebaurestloches künstlich angelegte, ca. 1 km lange und 300 m breite Heidesee, der auch den Namen "Bruchfeldsee" trägt.
Bezüglich Flora und Fauna ist in der Dölauer Heide ein breites Artenspektrum anzutreffen. Während in einigen Teilen der Heide noch viele Arten der ursprünglichen Waldvegetation zu finden sind, gibt es seit einigen Jahrzehnten auch die Einwanderung neuer Arten. Je nach Bodenverhältnissen sind unterschiedliche Pflanzenkombinationen vorhanden. Kennzeichnend für die ursprüngliche Vegetation ist ein winterlindenreicher Traubeneichen- und Hainbuchenwald. Heute besteht ein Großteil des Waldes aus Anpflanzungen. Den größten flächenmäßigen Anteil bilden heimische Waldkiefern. Unter den Laubbaumarten sind Stieleichen und Traubeneichen, aber auch Rot- und Weißbuchen, Ahornarten und Robinien zu finden. Neben einer gemischten Strauchvegetation wachsen in der Dölauer Heide insgesamt ca. 600 Pilzarten, darunter auch einige vom Aussterben bedrohte Arten.
Die Dölauer Heide bietet Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt. So zählt sie beispielsweise zu den vogelreichsten Gebieten von Sachsen-Anhalt und wird in der Artenvielfalt nur von den Auengehölzen an Saale und Elster übertroffen. Auch bei den Schmetterlingen ist mit ca. 550 Arten eine vergleichsweise hohe Artenvielfalt heimisch, da es sich um ein geschlossenes Waldgebiet mit einem eigenen Charakter handelt.
Während die Dölauer Heide in der Vergangenheit (vgl. die Geschichte der Dölauer Heide) vor allem als Holzeinschlagsgebiet genutzt wurde, stehen heute die klimatischen Funktionen des Waldes (Kaltluftreservoir, Sauerstoffquelle, Bindung von Kohlendioxid) und der Erholungsaspekt im Vordergrund. Durch die regionale Industrieansiedlung, aber auch durch die dichte Bebauung bis zum Waldrand hin ist die Heide aus allen Himmelsrichtungen Schadstoffen ausgesetzt. Insbesondere während der DDR-Zeit war das Waldgebiet durch sehr hohe Immissionen gefährdet, die zu starken Schädigungen des Waldbestandes führten. Um die Erholungswirksamkeit der Dölauer Heide langfristig zu sichern, sind daher geeignete Naturschutzmaßnahmen zu ergreifen. Neben der bereits deutlich gesenkten Immissionsbelastung gehören dazu die Förderung des Umweltbewusstseins des Einzelnen, z. B. durch die Anlegung von Naturlehrpfaden sowie ein "sanfter Tourismus", um z. B. Trittbelastungen gering zu halten. Besondere Gesichtspunkte der modernen Waldpflege liegen zum einen in der Umwandlung der durch Bepflanzung entstandenen Monokultur in einen standortgerechten Mischwald, zum anderen in des Sicherung der artlichen Formenvielfalt. Vergleichbare Maßnahmen und Überlegungen zum Schutz der Heide finden sich bereits in den Zielen und Forderungen des Heide-Vereins, der erstmals 1904 durch Franz Robert Tittel gegründet wurde.
Quellen:
Albrecht, Torsten [u.a.]:
Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe: Beiträge zur Geographie, Pflanzen- und Tierwelt, Geschichte sowie Gefährdungen, Schutz- und Pflegemaßnahmen des halleschen Stadtwaldes/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle: 1993
Die Dölauer Heide ist Landschaftsschutzgebiet
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Grüne Oase vor den Toren Halles: die Dölauer Heide
In: Magdeburger Volksstimme, Wochenend-Magazin. - 2002, Nr. 244 (19.10.2002), S. 5
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Die Heide - der hallische Stadtwald. - Halle (Saale): Akad. Verl., ca. 1945. - (Beiträge zur Geschichte der Stadt Halle und Umgebung; 6)
Im 19. Jahrhundert wurde die Dölauer Heide durch die Hallenser als Erholungswald „entdeckt“. Die Stadt Halle wuchs mit der zunehmenden Besiedlung der Heide quasi immer mehr entgegen. Gleichzeitig verschwanden mit den Stadterweiterungen viele Gärten, Wiesen, Felder und Schenken außerhalb der Stadtmauern. Halle war eine typische Industriestadt der damaligen Zeit, geprägt von Salzsiedereien, Gerbereien, Stärke- und Papierfabriken. Später kam die Braunkohleindustrie hinzu. Durchzogen von verschiedenartigen Luftverunreinigungen und Gerüchen erhielt sie Bezeichnungen wie „torfgelbe Schöne“ oder „Diva in Grau“. Die Einwohner drängten in die frische Luft des Waldes, wobei man sich zunächst allerdings nur in größeren Gruppen und zu besonderen Feiertagen in die Heide wagte, da ein Besuch allgemein als nicht ungefährlich galt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es aber auch „mutige Einzelgänger“, deren Pioniergeist bewundert wurde, darunter die Oberlehrer Weiske und Schlenker von der Latina und einige Pflanzen- und Insektenforscher.
In der Mitte des 19. Jahrhundert entstand eine Gesellschaft mit dem Namen „Kasino“, die sich später „Kolk-Gesellschaft“ nannte. Es handelte sich um einen Kreis von Künstlern und Akademikern, in dem auf humorvolle Weise Fragen der Literatur, Kunst und Wissenschaft diskutiert wurden. Der Name stammt von der Bezeichnung „kolken“, der „ulken“ oder „geistreich blödeln“ bedeutet. Mit der Krankheit und dem Tod mehrerer Mitglieder erlebte die Kolk-Gesellschaft um 1865 insofern eine Wandlung, als an die Stelle der Dichter und Schöngeister Kaufleute, Ärzte und Beamte traten. Sie picknickten in der Heide und erfreuten sich an der Natur des Waldes. Im August 1879 kam die Idee auf, einen Aussichtsturm in der Heide zu bauen, um die vorhandene gute Fernsicht noch zu verbessern. Die Mittel zur Erbauung des Kolkturms wurden durch Spenden aufgebracht. Um einer mutwilligen Zerstörung vorzubeugen, wurde ein Turmwächter bestellt und ein Wächterhäuschen errichtet. Bereits am 2.7.1880 konnte der Turm auf dem Tonberg (bzw. Domberg) der Öffentlichkeit übergeben werden. Die Übergabe stellt gleichzeitig den ersten Schritt zur touristischen Erschließung der Dölauer Heide dar. Die Kolk-Gesellschaft zerfiel später.
1865 wurde der Verschönerungsverein gegründet, der sich als Ziele den Schutz und die Verbesserung der halleschen Grünanlagen setzte. Durch den Arzt Dr. Oskar Thamhayn, der sowohl der Kolk-Gesellschaft als auch dem Verschönerungsverein angehörte, kam es beim Bau und der Unterhaltung des Kolkturms zum Zusammenwirken der beiden Vereine. Der Verschönerungsverein konzentrierte sich insgesamt hauptsächlich auf die städtischen Grünanlagen in Halle.
1904 gründete der Hallenser Juwelier Franz Robert Tittel den Heide-Verein. Es gehört zu Tittels Verdiensten, dass die Heide den Hallensern erschlossen wurde, dass Wege angelegt und Ruhebänke aufgestellt wurden. Tittel entwickelte auch die Idee, die Anziehungskraft des Aussichtsturms durch die Einrichtung eines Heidemuseums im alten Wächterhäuschen zu steigern. In dem 1909 eröffneten Museum wurden ausgestopfte Exemplare aller in der Heide heimischen Tiere ausgestellt.
Der Heide-Verein erlebte in den Anfangsjahren großen Zuspruch durch die Hallenser Bürger. Schon vier Jahre nach der Gründung zählte er 1059 Mitglieder. Es entwickelte sich eine rege Vereinstätigkeit, die sich z. B. in Kostümbällen, Heidefesten, Waldgottesdiensten, Chorkonzerten, Kutschfahrten und Picknicks auf der Bischofswiese wiederspiegelte und tausende Bürger in die Heide führte. Die Heide war in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg der Mittelpunkt für die sommerlichen Vergnügungen und Geselligkeiten der Hallenser. Der erste Heideverein, der Kolkturm und das Heidemuseum gingen im Laufe des ersten Weltkrieges und den Nachkriegswirren unter. Der Turm wurde 1921 durch Vandalismus zerstört, die Exponate des Heidemuseums gestohlen.
1929 erwarb die Stadt Halle unter Bürgermeister Rive (Amtszeit 1905 – 1933) das Areal der Dölauer Heide. Es wurde ein einzigartiger Grüngürtel im Westen der Stadt durch die parkartige Ausgestaltung des Saaletals zwischen Forstwerder und der Insel Peißnitz sowie die Verbindung der beiden Landschaftsbereiche durch mit Bäumen und Sträuchern gesäumte Alleen geschaffen.Der Ankauf des Heidegebietes war schließlich der Anstoß zur Gründung eines zweiten Heide-Vereins am 11.11.1929. In seiner Satzung setzte sich der Verein den Zweck, "... in den städtischen Waldungen Dölauer Heide, Rabeninsel und Forstwerder Verbesserungen und Verschönerungen, die der Allgemeinheit dienen, durch Hergabe von Geldmitteln zu unterstützen. Als Hauptarbeitsgebiet sind im Besonderen die Aufstellung von Ruhebänken, Verbesserung der Wegeverhältnisse, Förderung des Tierschutzes, Unterstützung der Naturschutzbestrebungen zu nennen." Der Magistrat der Stadt Halle förderte mit Nachdruck die Tätigkeit des Vereins in dem Bewusstsein, dass die Erschließung des Gebietes als attraktives Erholungsgebiet nicht allein in der kommunalpolitischen Verantwortung der städtischen Forstbehörde liegen konnte, sondern auch durch gesellschaftliches Engagement mitgetragen werden musste. Zu den ca. 300 Mitgliedern des zweiten Heide-Vereins zählten viele bekannte Hallenser Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft.
Die planvolle Tätigkeit des Vereins zeigte bald Wirkung. So ist dem Jahresbericht des Vereins von 1932 zu entnehmen, dass 6150 m Fußwege, 4220 m Radfahrwege, 3000 m Reitweg, 6 Schutzhütten, 23 Ruhebänke, 115 Papierkörbe, Hunderte von Nistkästen, 2 Trinkbrunnen, Wegweiser in Holzarbeit usw. angelegt wurden. Daneben wurden der Hertha-Rehteich wiederhergestellt, ein Goethe-Gedenkstein gestaltet und die Pflege des Heidefriedhofs übernommen. In fünf Räumen des Waldhauses Heide wurde ein neues Heidemuseum eingerichtet. Kurz vor dem zweiten Weltkrieg entstand der aus Holz gebaute Aussichtsturm auf dem Schwarzen Berg, der in den 60er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Der zweite Heide-Verein sowie das neue Heidemuseum wurden Opfer des zweiten Weltkrieges.
Am 1.10.1952 kam es zur Gründung eines dritten Heide-Vereins, der nun nicht mehr als Vereinigung des bürgerlichen Rechts bestand, sondern als „Arbeitskreis Dölauer Heide“ unter dem Dach des Kulturbundes angesiedelt war. Wiederum fanden sich bekannte hallesche Persönlichkeiten, Naturschützer, Ornithologen, Forstleute, Geologen und Archäologen unter den Mitgliedern. Trotz ungünstiger wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse ergab sich eine erfolgreiche Tätigkeit zum Wohl der Dölauer Heide. So wurde der Naturlehrpfad wiederhergestellt. 1953 wurde das Heidemuseum wieder begründet, das letztendlich 1976 endgültig aufgegeben wurde. Zu den Veranstaltungen des neuen Heide-Vereins gehörten Führungen in der Heide und Vorträge. Besonders bekannt sind die beliebten, mehrmals aufgelegten Heideführer. Der Heide-Verein engagierte sich weiterhin bei der Schaffung des Landschaftsschutzgebietes Dölauer Heide und der Naturschutzgebiete Bischofswiese und Lintbusch.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde ein vierter Heide-Verein gegründet. Er verschrieb sich dem Zweck des Schutzes und der Betreuung der sich verändernden und bedrohten Heide. Dazu gehörten beispielswiese die Förderung von Natur-, Arten und Denkmalschutz und die Sensibilisierung und Aufklärung der Bevölkerung bzgl. der Heidepflege. Diese Ziele sollten in enger Zusammenarbeit mit der öffentlichen Verwaltung, Umwelt- und Denkmalschutz sowie den einschlägigen Vereinen erfolgen.
Quellen:
Die Dölauer Heide/ Hrsg.: Geschichtsmuseum der Stadt Halle, Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik – Stadtleitung Halle, Kreiskommission der Natur- und Heimatfreunde. – Halle, 1976
Heideverein <Halle, Saale>: Jahresbericht des Heidevereins in Halle. – Halle, S.: Gebauer-Schwetschke, 1932Rund um die Geschichte des Heidemuseums
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Schick, Manfred:
Die Heide – und einiges vom Heide-Verein
In: Der Heide-Bote. – 4 (1930), Nr. 38 vom 18.03.1930, S. 1 - 2
Schwarze-Neuss, Elisabeth:
Die Heidevereine
In: Albrecht, Torsten [u.a.]: Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle: 1993. - S. 115 - 118
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Das Gebiet der Kolonie "Waldheil" gehört zur Gemeinde Lieskau im westlichen Saalkreis (Sachsen-Anhalt) bei Halle an der Saale. Von Süden und Osten wird das Areal von der Dölauer Heide umschlossen. Zur Kolonie Waldheil gehörten ursprünglich die drei Straßenzüge Fliederweg, Lindenweg und Eichenweg. Ihren Namen erhielten die bis zu diesem Zeitpunkt namenlosen Straßen erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. |
Quellen
Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
August-Bebel-Straße 13
06108 Halle/Saale
Stadtarchiv Halle
Rathausstraße 1
06108 Halle/Saale
Landesarchiv Sachsen-Anhalt
Abteilung Merseburg
König-Heinrich-Str. 83
06217 Merseburg
Justizzentrum Halle
Thüringer Straße 16
06112 Halle
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde
Abt. Forschungsstelle für geschichtliche Landeskunde Mitteldeutschlands
Wilhelm-Röpke-Str. 6 C
35032 Marburg
Bibliografie
Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe: Beiträge zur Geographie, Pflanzen- und Tierwelt, Geschichte sowie Gefährdungen, Schutz- und Pflegemaßnahmen des halleschen Stadtwaldes/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle, 1993
Die Dölauer Heide/ Hrsg.: Geschichtsmuseum der Stadt Halle, Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik – Stadtleitung Halle, Kreiskommission der Natur- und Heimatfreunde. – Halle, 1976
Die Dölauer Heide ist Landschaftsschutzgebiet
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Göner, Herbert:
Naturschutz und Heide
In: Der Heide-Bote. – 4 (1930), Nr. 27 vom 03.07.1930, S. 1 - 2 und Nr. 28 vom 10.07.1930, S. 1 - 2
Halle <Saale>:
Amstblatt der Stadt Halle (Saale)/ Hrsg.: Stadt Halle (Saale), Der Oberbürgermeister. - Halle, S.: FVGmbH, 1993 -
Der Heide-Bote : amtliches Bekanntmachungsblatt. – Halle, S.: Rode, 1927 -1941
Heideverein <Halle, Saale>: Jahresbericht des Heidevereins in Halle. – Halles, S.: Gebauer-Schwetschke, 1932
Heimatkalender für Halle und den Saalkreis. - Halle, S.: Karras & Koennecke, 1920 - 1933
Kalender für Ortsgeschichte und Heimatskunde von Halle und dem Saalkreise. – Halle, Saale: Kaemmerer, 1898 - 1933
Lemmer, Manfred:
Der Saalaffe: Sagen aus Halle und Umgebung. Ausgewählt und neu erzählt. - 1. Aufl. - Halle: VEB Postreiter-Verl., 1989
Neuss, Erich; Schmalfeld Tassilo:
Bibliographie der heimatgeschichtlichen Arbeiten von Dr. Siegmar v. Schultze-Galléra anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages
In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe. - 13 (1964), 8, S. 521 – 538
Rund um die Geschichte des Heidemuseums
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Der Saalkreis in Vergangenheit und Gegenwart/ hrsg. vom Rat des Saalkreises/Abt. Kultur. Red.-Kollektiv. - Halle: Rat des Saalkreise, Abt. Kultur, 1991
Schenken, Herbergen und Hotels in Alt-Halle: Ausflugsziel „Waldheil“
In: Liberal-Demokratische Zeitung. Ausgabe Halle. – Halle, Saale. – 42 (1987), Nr. 141 vom 17.6.1987
Schick, Manfred:
Die Heide – und einiges vom Heide-Verein
In: Der Heide-Bote. – 4 (1930), Nr. 38 vom 18.03.1930, S. 1 - 2
Ders.:
Dem Schöpfer des neuen wie ehemaligen Heidemuseums, Herrn Juwelier Franz Tittel
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 31 vom 02.08.1934, S. 1 - 2
Schramm, Hans Joachim:
Von der Dölauer Heide bis Rothenburg an der Saale: Sagen - Bräuche - Geschichten. - 1. Aufl. - Halle: Schwarzberg. - (Sagenhafte Heimat; 1)
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Eröffnung des Heide-Museums im Waldhaus Heide
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 26 vom 28.06.1934, S. 1 - 2
Ders.:
Die Heide - der hallische Stadtwald. - Halle (Saale): Akad. Verl., ca. 1945. - (Beiträge zur Geschichte der Stadt Halle und Umgebung; 6)
Ders.:
Kolonie "Waldheil" bei Lieskau
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 43 vom 25.10.1934
Schwarze-Neuss, Elisabeth:
Die Heidevereine
In: Albrecht, Torsten [u.a.]: Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle : 1993. - S. 115 - 118
Tittel, Franz Gerhard:
Zur Geschichte des Golschmiedebetriebes Juwelier Tittel - Halle. - Halle, [ca. 1958]. - Stadtarchiv Halle: Nachlass Franz Robert Tittel
Links für weiterführende Informationen
Satzung von 1909
Satzungen
der
Hallischen
Einfamilienhäuser und Laubenniederlassung
“Waldheil (E. V.)“
zu Halle a./d. S.
§ 1.
Unter dem Namen „Waldheil (E.V.)“ wird ein Verein mit dem Sitz in Halle a./d. S. gegründet. Der Verein soll in das Vereinsregister eingetragen werden. Er hat den Zweck, die Erholung seiner Mitglieder in freier Natur zu fördern, indem er:
1. Auf einem in Lieskauer Flur an der Heide gelegenen etwa 15 ½ Morgen grossen Stück Land die Anlegung von Gärten, Einfamilienhäusern und Lauben für die Mitglieder vermittelt.
2. Für Verbesserung der Verkehrsverhältnisse nach diesem Platze und die Schaffung von Annehmlichkeiten daselbst sorgt.
§ 2.
Ueber die Aufnahme in den Verein beschliesst der Vorstand. Der Austritt aus dem Verein ist erst zulässig, wenn das Mitglied alle seine Verpflichtungen gegen den Verein erfüllt hat.
§ 3.
Der Beitrag beträgt jährlich 3 Mark, die jedes Jahr am 1. Januar fällig werden und innerhalb des ersten Kalendervierteljahres zu entrichten sind. Das Geschäftsjahr des Vereins ist das Kalenderjahr.
§ 4.
Der Vorstand besteht aus drei Mitgliedern, nämlich dem Vorsitzenden, dem Schriftführer und dem Kassenführer. Diese sowie für jeden ein Stellvertreter werden jährlich in einer Mitgliederversammlung des Vereins gewählt.
Die Wahl erfolgt mit einfacher Stimmenmehrheit und in der von der Versammlung selbst beliebten Form. Zur Vertretung des Vereins sind zwei Vorstandsmitglieder erforderlich und ausreichend. Zur Vertretung der Kaiserlichen Post gegenüber ist der Vorsitzende und im Behinderungsfalle sein Stellvertreter allein erforderlich und berechtigt.
§ 5.
Die Mitgliederversammlungen werden vom Vorstande berufen, so oft es nach dessen Ermessen erforderlich ist. Sie sind zu berufen, wenn mindestens 5 Mitglieder es schriftlich unter Angabe des Beratungsgegenstandes verlangen. Kommt der Vorstand einer solchen Aufforderung nicht nach, so kann die Versammlung durch mindestens 5 Mitglieder gültig berufen werden. Diese haben bei der Berufung ihre Namen anzugeben.
§ 6.
Die Berufung der Mitgliederversammlungen geschieht durch Postkarte oder durch einmalige Bekanntmachung in der Hallischen Allgemeinen Zeitung, der Saalezeitung und der Hallischen Zeitung, sämtlich in Halle a. S. Die Bekanntmachung muss die Beratungsgegenstände angeben und mindestens drei Tage vor der Versammlung erscheinen. Die Veröffentlichung im lokalen Teil der Zeitung genügt.
§ 7.
Den Vorsitz in den Mitgliederversammlungen führt ein Mitglied des Vorstandes oder bei dessen Verhinderung ein anderes, jedes Mal zu wählendes Mitglied.
Ueber die Versammlungen ist ein Protokoll zu führen, das vom Vorsitzenden der Versammlung und mindestens einem Mitgliede zu unterzeichnen ist.
§ 8.
Der Verein verteilt zur Förderung seiner Zwecke das in Aussicht genommene Land an seine Mitglieder. Ueber den Umfang jedes Stückes und die Art seiner Benutzung sowie das zu zahlende Entgelt wird in jedem Falle ein besonderer Vertrag geschlossen.
§ 9.
Im Falle der Auflösung des Vereins ist jedes Mitglied am Vereinsvermögen im Verhältnis der Geldzahlungen berechtigt, welche es für die Gewährung von Land an den Verein geleistet hat. Angenommen in der Versammlung des Vereins Waldheil am 3. Juli 1909.
Der Vorstand
des Vereins „Waldheils (E. V.)“.
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Franz Tittel, |
H. Rühlemann, |
J. Krüger, Postassistent,
Kassenwart.
|
Johannes Kralle, |
G. Braun, |
K. Greiner, Mathematiker,
stellvertr. Kassenwart.
Auszug
aus dem Vertrage, der bei der Verteilung von Land mit den Mitgliedern des Vereins “Waldheil (E. V.)“ abgeschlossen wird.
Das Land darf höchstens zur Hälfte seiner Fläche und nur mit villenartigen, ausser Keller
und Mansarde höchstens zwei Geschosse enthaltenden, in Stil und Ausführung der Landschaft und dem Zwecke der Niederlassung als einer Villenniederlassung entsprechenden Gebäuden bebaut werden. Dabei soll in der Regel ein Vorgarten von 5 Meter Tiefe gelassen werden. Ueber die Einhaltung dieser Bedingungen soll im Streitfalle die Sachverständigen-Kommission des Hallischen Kunstgewerbevereins entscheiden.
Das Halten von Schweinen ist verboten.
Vorstehende Beschränkungen werden zu Gunsten des Vereins „Waldheil (E.V.)“ im Grundbuche eingetragen.
Stadtarchiv Halle, Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
Nur noch wenige Dokumente sind erhalten, welche die Verwaltungsvorgänge zur Zeit der Anfänge der Kolonie belegen. Während im Gemeindebüro Lieskau nur noch wenige Protokolle der Gemeinderatsversammlungen vorhanden sind, liegen im Stadtarchiv Halle vier Abschriften von Gemeinderats- bzw. Kirchenratsprotokollen vor, die einen Eindruck über die Ereignisse im Zusammenhang mit der frühen Ansiedlungsphase vermitteln. Sie sind unten als Abschriften wiedergegeben.
Schon kurze Zeit nach der Eintragung des Vereins Waldheil e.V. in das Vereinsregister am 26. Juli 1909 entwickelten die Mitglieder konkrete Pläne zur Besiedlung des angekauften Areals. Im September 1909 entstanden detaillierte Bauskizzen und Pläne zur Aufteilung des Gebietes in einzelne Parzellen. Der Telegraphensekretär a. D. Franz Braun und Luise Kugler, die Witwe eines Bahnmeisters, beide aus Halle an der Saale, gehörten zu den ersten, die bei der zuständigen Behörde, dem Kreisausschuss des Saalkreises, einen Antrag zur Genehmigung für den Bau eines Einfamilienwohnhauses einreichten.
Die Baugenehmigungsanträge lösten sowohl in der Verwaltungsgemeinde als auch in der Kirchengemeinde Lieskau einen heftigen Meinungsaustausch aus. Die zuständigen Verantwortungsträger ergriffen schnell Partei gegen die neuen Siedler und führten eine umfangreiche Liste von Argumenten an, die aus ihrer Sicht gegen eine Ansiedlung sprachen. Mit der Festsetzung unterschiedlichster Auflagen wurde versucht, beim Kreisausschuss die Genehmigung zu verhindern. Im Protokoll einer Gemeinderatssitzung wurde festgehalten, dass „der Gemeinde nur Lasten aber keine Vorteile“ aus der geplanten Ansiedlung erwüchsen. So werden erhebliche Kosten für die damit notwendige Erweiterung von Schule, Friedhof und die Entstehung von Armenlasten angeführt. Die Ansiedlung sei daher nur zu genehmigen, wenn dafür von jeder sich neu ansiedelnden Familie Sicherheiten in Höhe von 7500 Mark bei der Gemeinde hinterlegt würden.
Der Gemeindekirchenrat von Lieskau schloss sich der Meinungsäußerung der politischen Gemeinde uneingeschränkt an. In seinem Beschluss vom 18. Februar 1910 forderte er den Kreisausschuss ausdrücklich auf, die Baubewilligung zu versagen, da es „beim besten Willen nicht möglich [sei] für die Gemeinde Lieskau in dem geplanten Unternehmen irgend einen Vorteil zu erblicken“. Des Weiteren beruft der Gemeindekirchenrat sich auf eine Erschwerung des Pfarrdienstes durch den Zuwachs der Bevölkerung und die Notwendigkeit einer Kirchenerweiterung, was die Hinterlegung von Sicherheiten für die entstehenden Mehrkosten erforderlich mache.
Den Anträgen der Gemeinde und des Gemeindekirchenrates an den Kreisausschuss des Saalkreises folgten im Februar bzw. März 1910 Einsprüche der Besitzer jener Grundstücke, die an das Areal der Kolonie Waldheil angrenzten, weil sie sich in der Nutzung ihrer Rechte beeinträchtigt sahen.
Den genannten Bemühungen zum Trotz erteilte der Kreisausschuss schließlich am 22. April 1910 Franz Braun die Genehmigung zum Bau eines Einfamilienhauses in der Kolonie Waldheil. Während die Anträge der Grundstücksnachbarn als unberechtigt zurückgewiesen wurden, fanden die Argumente der Gemeinde bzw. des Gemeindekirchenrates im Beschluss des Kreisausschusses zumindest zum Teil Berücksichtigung. So wurde für die neuen Siedler die Hinterlegung einer Kapitalsicherheit für entsprechende Mehraufwendungen der Gemeinde und der Kirche festgesetzt. Die Summe fiel mit einer Höhe von 4000 Mark insgesamt allerdings deutlich geringer aus als von den Antragstellern gefordert.
Die erteilten Auflagen lösten bei den Mitgliedern des Vereins Waldheil starke Empörung hervor. Sie mündete in einer offiziellen Beschwerde gegen den Beschluss des Kreisausschusses, die am 3. Mai 1910 von dem ebenfalls dem Verein Waldheil angehörenden Rechtsanwalt Meyer eingereicht wurde. In dem mehrseitigen Schreiben nahm er detailliert zu den einzelnen Argumenten der Gemeinde bzw. des Kirchenrates Stellung und entlarvte die Beweggründe der Antragsteller. Nach Meinung des Vereins stünden die Ansprüche „außer allem Verhältnis zu den sonst in der Gemeindeverwaltung üblichen Summen“. Meyer führt weiterhin an, dass die Mitglieder des Vereins kein Geld aus der Gemeinde Lieskau herausholen würden, sondern vielmehr Geld hineinbrächten, welches sonst anderswo in den Ferien verausgabt würde. Der Verein Waldheil diene als willkommene Person, um ohnehin entstehende Gemeindelasten auf ihn abzuwälzen. Die vom Kreisausschuss als Kaution festgesetzten Summen werden als zu hoch gegriffen bezeichnet, während die Ansprüche der Kirchengemeinde auf Sicherheitsleistungen als vollkommen unberechtigt zu betrachten seien.
Über den konkreten Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind leider keine weiteren Dokumente erhalten. Aus einem 1934 im Heide-Boten, dem amtlichen Bekanntmachungsblatt der Heidegemeinden, veröffentlichten Artikel, ist jedoch zu entnehmen, dass der Erbauer des ersten Wohnhauses 1912 einen Betrag von 500 Mark bei der Gemeinde Lieskau für zusätzlich entstehende Gemeindelasten hinterlegen musste.
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Kolonie "Waldheil" bei Lieskau
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 43 vom 25.10.1934
Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 – 1936
Aktenabschrift
Protokoll der Sitzung des Gemeindekirchenrates von Lieskau vom 18. Februar 1910
Abschrift
Verhandelt Lieskau, d. 18. Febr. 1910, in der Sitzung des Gemeinde-Kirchenrats.
Anwesend sind sämtl. Mitglieder. Die Versammlung ist beschlußfähig.
Vorgelegt werden vom Vorsitzenden zwei Verfügungen des Kreis-Ausschusses des Saalkreises, inhaltlich deren a) der Telegraphensekretär a. D. Franz Braun in Halle a/S. und b) die verwitwete Frau Bahnmeister Luise Kugler in Halle a/S. beabsichtigen auf ihren in der Gemarkung Lieskau, unweit der Dölauer Heide – in der sogenannten Kolonie „Waldheil“ – gelegenen Grundstücke je ein Einfamilienwohnhaus zu errichten und hierzu die Ansiedlungsgenehmigung beantragt haben, und woraufhin der Gemeindekirchenrat aufgefordert wird, eventuell geltend zu machende Anträge auf Festsetzung besonderer Leitungen für die Zwecke der Kirchenverhältnisse gebührendes Ortes rechtzeitig anzubringen.
Nach eingehender Beratung dieser Angelegenheit kommt der Gemeindekirchenrat zu folgender Beschlussfassung: Da ausgesprochenermassen so ziemlich die ganze Gemeinde Lieskau der Einrichtung der betreffenden Kolonie in Lieskauer Flur durchaus ablehnend gegenübersteht und den Bau irgendwelcher Wohnhäuser an dem hierzu in Aussicht genommenen Ort absolut nicht wünscht, kann sich der Gemeindekirchenrat als Vertreter der Kirchengemeinde ganz offenbar auf einen anderen Standpunkt nicht stellen. Somit bittet er zuvörderst die bezüglichen Instanzen – in erster Linie den verehrlichen Kreisausschuß des Saalkreises – den Ansiedlungsgesuchen der obengenannten beiden Interessenten die Genehmigung überhaupt nicht erteilen zu wollen.
G r ü n d e:
Es ist dem Gemeindekirchenrat beim besten Willen nicht möglich, für die Gemeinde Lieskau in dem geplanten Unternehmen irgend einen Vorteil zu erblicken, wohl aber befürchtet er aufs äußerste, daß eine ganze Reihe Lasten und Schwierigkeiten nach jeder Hinsicht für die Gemeinde daraus erwachsen werden. Speziell was die kirchlichen Verhältnisse anbetrifft, so würde, wenn andere Unzuträglichkeiten wirklich nicht eintreten sollten, eine Erschwerung des Pfarrdienstes durch eventuell zu vollziehende Taufen, Trauungen und besonders Begräbnisse unbedingt erfolgen.
Weiter ist in Erwägung zu ziehen, daß das Kirchengebäude nur für die Gemeinde, wie sie jetzt ist, genügenden Raum hat und daß im besonderen Sitzplätze überhaupt nicht mehr zur Verfügung sind und daß infolgedessen die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaues, wenn die Kolonie auch nur einen mäßigen Umfang annimmt und Anspruch auf Sitz und Platz in der Kirche erhoben wird, sofort da ist. Ein solcher Bau würde aber nach ganz mäßiger Schätzung unter 15000 Mk. gewiß nicht ausgeführt werden können. Es müßte bei Vermehrung des Kirchendienstes zweifellos auch eine Entschädigung der Kirchenbeamten erfolgen, die mit 400 Mk. pro anno nicht zu hoch gegriffen sein dürfte. Diese Belastung kapitalisiert erfordert die Summe von mindestens 10000 Mk.
Der Gemeindekirchenrat erachtet es für unumgänglich nötig, daß diese beiden Summen eventuell von den Interessenten allein geleistet werden müßten. Dabei würden in der Annahme, daß über kurz oder lang etwa 30 Einfamilienwohnhäuser errichtet werden, auf jeden einzelnen Interessenten rund 850 Mk. entfallen.
Somit beantragt der Gemeindekirchenrat: der verehrliche Kreisausschuß des Saalkreises wolle 1) dem p. Braun und 2) der p. Kugler die Genehmigung zur Ansiedlung in der sogenannten Kolonie „Waldheil“ bzw. zur Errichtung eines Einfamilienwohnhauses ebenda nur unter der Bedingung erteilen, daß sie jeder für sich 850 Mk., in Worten achthundertfünfzig Mark, in zweckentsprechender Weise hinterlegen und der Kirchengemeinde Lieskau das Recht zuerkennen, daß sie diese Summen gegebenen Falles verwendet.
V. g. u. (Vorgelesen, genehmigt, unterschrieben)
Gez. Hintzsche, Pastor
Vorsitzender,
’’ Hage,
’’ Knaut.
Quelle:Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
AktenabschriftenProtokoll der Gemeindevertreterversammlung der Gemeinde Lieskau
(Abschrift vom 19. Februar 1910)
A b s c h r i f t,
Lieskau, den 19. Februar 1910.
Anwesend:
Der Gemeindevorsteher Schulze
die Schöffen L. Hage
O. Hartwig.
Die Gemeindevertreter
E. Götze
F. Keil
R. Medewisch
K. Friedrich
K. Panitz
E. Nachtigall
Aug. Knaut
F. Golla
Alb. Knaut.
In der hiesigen Gemeindevertreterversammlung, zu welcher alle stimmberechtigten Gemeindevertreter unter Angabe der zu verhandelnden Gegenstände und unter der Verwarnung, daß die Nichterscheinenden an die Beschlüsse der Erschienenen gebunden seien, vorgeladen sind, waren die nebenstehend aufgeführten Gemeindevertreter erschienen.
Nachdem die Gegenstände der Verhandlung nochmals bekannt gemacht worden und die Gemeindevertreter Karl Panitz und Peter Golla beauftragt waren, das Protokoll der heutigen Verhandlungen mit zu unterzeichnen, wurden folgende Beschlüsse gefaßt:
Gegen die Ansiedlung des Telegraphensekretärs a. D. Franz Braun und der Frau verw. Bahnmeister Louise Kugler wohnhaft in Halle auf dem Grundstück „Waldheil“ in der Gemarkung Lieskau wird seitens der Gemeinde Lieskau Ablehnung beantragt, da der Gemeinde nur Lasten aber keine Vorteile erwachsen.
G r ü n d e
1. Die Ansiedlung schädigt die Gemeindejagd; da, wo die Ansiedlung entsteht, ist hauptsächlich der Austritt des Rehwildes, welcher durch die Ansiedlung gestört wird; auch das andere Wild in der Umgebung würde darunter sehr zu leiden haben, sodaß die Jagd einen großen Jagdpachtausfall zu erleiden hat und der Jagdpacht von 1,20 Mk. pro Morgen nicht mehr zu erzielen ist. Für den voraussichtlichen Ausfall des Jagdpachtes verlangt die Gemeinde eine Hinterlegung von 8000 Mark.
2. Da durch die Ansiedlung der Gemeinde Armenlasten entstehen können, so werden für unvorhergesehene Lasten die Hinterlegung von 15000 Mk. gefordert.
3. Der Friedhof ist für unsere jetzigen Verhältnisse noch auf lange Jahre ausreichend, durch die Ansiedlung entsteht auch da eine Last, und es würde in kürzerer Zeit die Anschaffung eines neuen Friedhofes erfordern; auch hier wird eine Hinterlegung von 6000 Mk. für erforderlich gehalten.
4. Für die entstehenden Schullasten, z.B. Neubau einer Schule, wird die Hinterlegung von 30000 Mk. und zur Anstellung eines Lehrers 50000 Mk. verlangt.
5. Für Mehrbelastung des Pfarrers und Küsters wird 12000 Mk. und für evtl. Erweiterung der Kirche 15000 Mark verlangt.
6. Auch für die Mehrbelastung der Gemeindearbeiten werden größere Ausgaben aus der Gemeindekasse gefordert, wodurch eine Hinterlegung von 10000 Mk. erforderlich erachtet wird.
7. Der Nachtwächterdienst soll nur auf Kosten des „Vereins Waldheil“ stattfinden.
8. Die Wasserversorgung für das Terrain im Grundstück „Verein Waldheil“ sowie für die Anwohner deren zu bebauender Grundstücke desselben, lehnt die Gemeinde ab.
9. Die Gemeinde Lieskau verlangt ein Kanalprojekt über das Grundstück „Waldheil“ auf Kosten des Vereins Waldheil.
10. Zum Grundstück der Ansiedlung „Waldheil“ führt kein befestigter Weg; aus diesem Grunde ist schon die Ansiedlung zu versagen. Für jetzige Verhältnisse ist der Weg vollständig genügend und würde in seiner jetzigen Beschaffenheit noch manche Jahrzehnte keine Aenderung erfordern; durch die Ansiedlung müßte derselbe in nicht zu ferner Zeit ausgebaut werden, wodurch der Gemeinde Kosten in Höhe von 80000 Mk. entstehen würden. Auch die Kosten für den Ausbau der Wege sind den Mitgliedern des „Vereins Waldheil“ aufzuerlegen.
Da die Ansiedlung ungefähr 30 Einfamilienhäuser aufweist, so kommt die Summe 7500 Mk. pro Familie in Anrechnung zu hinterlegen, sollte die Ansiedlung genehmigt werden, so wird ersucht, wie es in unserer Nachbargemeinde Zappendorf vom Kreisausschuß des Mansfelder Kreises genehmigt ist, auch für die Gemeinde Lieskau vom Kreisausschuß des Saalkreises die Hinterlegung obigen Kapitals von den ansiedelnden Ansiedlern zu bewirken.
Die Gemeindevertreter Der Gemeindevorsteher
gez. Golla gez. Schulze
’’ K. Panitz
Die Schöffen
gez. Hage.
’’ Hartwig
Quelle:
Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
Beschluss des Kreisausschusses des Saalkreises vom 22. April 1910
(Protokoll vom 2. Mai 1910)
Beschluß!
In der Angelegenheit, betreffend den Antrag des Telegraphensekretärs a. D. Franz Braun in Halle a/S., Alte Promenade 26 p., vom 18. Oktober 1909 auf Erteilung der Ansiedlungsgenehmigung zu dem Bau eines Einfamilienwohnhauses auf dem in der Gemarkung Lieskau unweit der Dölauer Heide in der Kolonie „Waldheil“ belegenen Grundstücke, Kartenblatt 3, Parzelle 155/89 hat der Kreisausschuß des Saalkreises in seiner Sitzung am 22. April 1910 beschlossen,
die gegen den Antrag erhobenen Einsprüche
a.des Gutsbesitzers Albert Knaut in Lieskau vom 23. Februar 1910 und
b.der Fabrikbesitzer Gebr. Baensch in Dölau vom 7. März 1910
als unbegründet zurückzuweisen und dem Telegraphen-Sekretär a. D. Franz Braun in Halle a/S. die nachgesuchte Ansiedlungsgenehmigung zu erteilen, ihm aber auf die Anträge der Gemeinde Lieskau vom 19. Februar 1910 und des Gemeindekirchenrats von Lieskau vom 18. Februar 1910 gemäß § 17 des Gesetzes vom 10. August 1904 eine besondere Leistung
a) für die Aenderung oder Neuordnung der Gemeindeverhältnisse die Hinterlegung einer Sicherheit in Höhe von 3500 Mk., buchstäblich „Dreitausendfünfhundert Mark“
b) für die der Kirchenverhältnisse eine solche von 500 Mk., buchstäblich „Fünfhundert Mark“
für jede in seiner beabsichtigten Ansiedlung enthaltene Familienwohnung aufzuerlegen, dagegen auf den Antrag des Schulvorstandes von Lieskau vom 15. Februar 1910 von der Festsetzung besonderer Leistungen für die Zwecke der Schulverhältnisse abzusehen. Die Hinterlegung der Summe hat in mündelsicheren Wertpapieren bei dem Gemeindevorsteher zu Lieskau zu erfolgen.
Tatbestand und Gründe:
Der Antrag des Telegraphensekretärs a. D. Franz Braun in Halle a/S., Alte Promenade 16 p, vom 10. Oktober 1909 auf Erteilung der Ansiedlungsgenehmigung zu dem Bau eines Einfamilienhauses auf dem in der Gemarkung Lieskau unweit der Dölauer Heide in der Kolonie „Waldheil“ belegenen Grundstücke, Kartenblatt 3, Parzelle 155/89 hat nebst den mit ihm eingereichten Zeichnungen und Beschreibungen den Vorschriften des Gesetzes, betreffend die Gründung neuer Ansiedlungen, vom 10. August 1904 – G. S. S. 227 ff – entsprechend öffentlich ausgelegen. Innerhalb der gesetzlichen Frist von 21 Tagen haben der Gutsbesitzer Albert Knaut – in Lieskau und die Fabrikbesitzer Baensch in Dölau gegen die Ansiedlung Einspruch erhoben. Der erstere begründet denselben damit, daß sein die Kolonie Waldheil im Norden begrenzendes Ackergrundstück durch die Anlage von Straßen und Plätzen bei schweren Niederschlägen und bei Tauwetter im Frühjahr überschwemmt werden würde. Die Gebrüder Baensch stützen ihren Einspruch auf § 15 a. a. O., da die Ansiedlung auf ihrem Mutungsfelde Minna 22 errichtet werden solle. Ferner haben die Gemeinde Lieskau und der Gemeindekirchenrat und der Schulvorstand von Lieskau gebeten, die Ansiedlungsgenehmigung zu versagen oder nur unter der Bedingung zu erteilen, daß für die Gemeinde 7500 Mk. für die Kirche 850 Mk. und für die Schule 2700 Mk. für jede in der beabsichtigen Ansiedlung enthaltene Familienwohnung gezahlt werden. Die Festsetzung der Leistungen wird damit begründet, daß durch diese Ansiedlung im Verein mit den übrigen auf dem Grundstücke Waldheil zu gründenden Ansiedlungen Mehrausgaben für Armenlasten, Schaffung eines neuen Friedhofs, Gemeindearbeiten, Nachtwächterdienst, Wasserversorgung des Terrains Waldheil, Kanalisation, Straßenausbau, Pfarre, Küsterei, Erweiterung der Kirche, Schulneubau und Abstellung eines 3. Lehrers entstehen würden.
Es war, wie geschehen, zu beschließen.
Von dem Grundstücke der Kolonie Waldheil bei Lieskau haben mehrere Personen Parzellen erworben, um sich dort Einfamilienwohnhäuser zu errichten, insbesondere zum Aufenthalt während der Sommermonate. Wie dem Kreisausschuß bekannt ist, ist die Anlegung von Straßen und die Kanalisation derselben vorgesehen. Der Einspruch des Gutsbesitzers Knaut in Lieskau vom 23. Februar 1910 ist deshalb ungerechtfertigt und zwar umsomehr, als es sich zunächst nur um zwei Wohnhäuser handelt. Eine Beeinträchtigung des Knautschen Grundstücks durch Ueberschwemmung erscheint als Folge der beiden Neuansiedlungen so gut wie ausgeschlossen. Auf den Einspruch der Gebrüder Baensch in Dölau vom 7. März 1910 ist nach § 16 Abs. 1 a. a. O. eine gutachtliche Aeußerung der zuständigen Bergpolizeibehörde eingeholt worden. Aus derselben geht hervor, daß die Gebrüder Baensch zwar das Mutungsrecht haben, daß aber z. Zt. Bergbau dort nicht betrieben wird. Ferner wird in der Aeußerung hervorgehoben, daß in Anbetracht der vermutlich nur geringen Kohlemächtigkeit und da das zu besiedelnde Grundstück überdies in der Nähe der Grenzen des Feldes der Braunkohlengrube Minna 22 bei Lieskau belegen sei, wodurch der Betrieb dieses Bergwerkes durch die Besiedlung fast gar nicht beeinträchtigt werden würde, die wirtschaftliche Bedeutung des uneingeschränkten Abbaues des Minerals nicht für derartig gehalten würde, daß sie die der Ansiedlung überwiege. Der Einspruch der Fabrikbesitzer Gebrüder Baensch war deshalb ebenfalls als unbegründet anzusehen.
Beide Ansprüche waren mithin zurückzuweisen.
Die Anträge der Gemeinde Lieskau vom 19. Februar 1910 und des Gemeindekirchenrates vom 18. Februar 1910 auf Festsetzung besonderer Leistungen waren teilweise für begründet zu erachten, da der Gemeinde und der Kirche durch diese Ansiedlung im Verein mit den anderen geplanten Ansiedlungen voraussichtlich besondere Lasten erwachsen werden. Es erschien deshalb angemessen, dem Antragsteller gemäß § 17 a. a. O. eine besondere Leistung in Gestalt der Leistung einer Sicherheit aufzuerlegen, deren Höhe jedoch abweichend von den Anträgen der Gemeinde und Kirchengemeinde zu bemessen:
a. für die Gemeindeverhältnisse auf 3500 Mk.
b. für die Kirchenverhältnisse auf 500 Mk.
für jede in seiner beabsichtigten Ansiedlung enthaltene Familienwohnung. Werden von jeder der geplanten Ansiedlungen Beträge in dieser Höhe als Sicherheit gestellt, so ist unter Berücksichtigung der aus der Kolonie aufkommenden Steuern anzunehmen, daß die von der Gemeinde und Kirchengemeinde für die Kolonie zu machenden Mehraufwendungen durch diese Beträge gedeckt werden. Der Antrag des Schulvorstandes von Lieskau vom 18. Februar 1910 konnte dagegen keine besondere Berücksichtigungen finden, da Lieskau einen Einzelschulvorstand bildet und die Schullasten demgemäß sich als Gemeindelasten darstellen. Für diese ist bereits eine Sicherheitsleistung beschlossen worden, bei deren Bemessung auch die zu erwartenden vermehrten Schullasten mit in Betracht gezogen worden sind.
Von der Festsetzung einer besonderen Leistung für die Zwecke der Schulverhältnisse war daher abzusehen.
Halle a/S., den 2. Mai 1910.
Der Kreissauschuß des Saalkreises.
L. S. v. Krosigk.
Quelle:Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
Beschwerde des Vereins Waldheil e. V. vom 3. Mai 1910 gegen den Beschluss des Kreisausschusses des Saalkreises vom 2. Mai 1910(Abschrift vom 28. Mai 1910)
A b s c h r i f t, Halle a/S., den 28. Mai 1910
An den Kreisausschuß Halle a/S.
In der Ansiedlungssache des Telegraphensekretärs F r a n z B r a u n
rechtfertige ich die gegen den Beschluß des Kreisausschusses vom 3.5.10 eingelegte Beschwerde wie folgt:
I. Ich schicke eine allgemeine Bemerkung voraus:
1. Die Ansprüche der politischen Gemeinde stehen offensichtlich außer allem Verhältnis zu den sonst in der Gemeindeverwaltung üblichen Summen. Sie erwecken den Eindruck, als sollte dem wirklichen Bedarfe vorgeschlagen werden, oder als sollte der Verein Waldheil als willkommene Person gelten, um sonst nötige Gemeindeaufgaben auf ihn abzuwälzen.
Die Gemeinde verkennt aber die Sachlage ganz und gar. Der Verein Waldheil bezweckt durch Verteilung von Gelände seinen Mitgliedern Gelegenheit zur Anlage von Gärten und Lauben, Sommerhäusern oder Einfamilienhäusern und dadurch Gelegenheit zur Erholung in gesunder freier Luft zu bieten. Dadurch wird erreicht, daß das Geld, das sonst in den Ferien im Gebirge, in Sommerfrische u. s. w. ausgegeben wurde, der engeren Heimat erhalten bleibt. Die Mitglieder des Vereins Waldheil holen kein Geld aus Lieskau heraus, sondern bringen ihr Geld in Lieskau unter die Leute. Dies können schon die Landwirte, die Gastwirte, die Handwerker (Schmied, Bäcker und Fleischer) und die Handarbeiter bestätigen. Von den 35 Anteilen sind bis jetzt 22 verkauft. Von den 22 Käufern wollen nur 3 Wohnhäuser, 3 Sommerhäuser und 16 Lauben bauen, wie auf beiliegendem Plane ersichtlich ist.
2. Selbst wenn die Besitzer der 35 Anteile der Kolonie Waldheil alle bauen wollten, was wie gesagt gar nicht der Fall ist, so wäre es doch ganz ungerechtfertigt und durchaus nicht angängig diesen 35 die gesamte von der Gemeinde Lieskau oder dem Kreisausschuß berechnete Summe allein aufzubürden. Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß im Laufe der nächsten Jahre neue Ansiedlungen zwischen dem Waldheilgelände und dem Dorfe Lieskau entstehen und wäre ganz ungerecht, wenn diese nicht auch herangezogen würdenFür die Parzellierung eines Ackerplanes von 16 Morgen hat der Besitzer bereits Vollmacht erteilt. Es sind aber außerem zur Zeit noch ca. 25 Morgen Gelände verkäuflich. Es geht nicht an, daß die jetzigen 35 Anteilbesitzer die Sicherheit z. B. für Straßenausbau, Gemeindearbeiten, Bewachung, Wasserleitung für die neuen Leute, die sich in den nächsten Jahren wohl noch ansiedeln werden, mitleisten sollen; die neuen Ansiedler würden ja ganz frei bleiben müssen! –
3. Ungerecht wäre es auch deshalb, den 35 Anteilbesitzern vom Waldheil die Kosten für die Vergrößerung der Gemeindelasten aufhalsen zu wollen, weil am Dorfe selbst dieses Jahr fünf Arbeiterwohnhäuser neu gebaut sind und drei noch gebaut werden sollen. Die Wohnungen in diesen neuen Häusern kosten jährlich 90 – 150 Mk. Miete und sind zum Teil noch zu vermieten. Sie können nur von Arbeiterfamilien gemietet werden und diese sind meist kinderreich. Wenn also bisher schon der Friedhof, die Kirche und die Schule tatsächlich nur gerade für die vorhandene Einwohnerschaft zureichte, so müssten die Kirche, die Schule, der Friedhof u. s. w. schon wegen des durch diese Häuser zu erwartenden Zuzugs vergrößert werden. Von den Erbauern dieser Häuser hat die Gemeinde keinerlei Sicherheitsleistung oder besondere Leistung verlangt.
II. Die Auferlegung einer Sicherheit ist nur in der Form zulässig, daß genau bestimmt wird
a) für welche Lasten die Sicherheit nötigenfalls dienen soll
b) unter welchen Voraussetzungen sie angegriffen werden darf.
Es würde unzulässig sein, die Sicherheit für solche Gemeindelasten zu fordern oder anzugreifen, die der Gemeinde nicht durch die Ansiedlung sondern durch andere Umstände, z. B. Vergrößerung innerhalb der Dorflage, erwachsen, wenn auch die Bedürfnisse der Gemeinde, für welche die Sicherheit dann angegriffen werden soll, dieselben sind, wie die, zu deren Sicherung sie hinterlegt ist.
III. Es ist unzulässig, eine Rechnung für die ganze „Kolonie“ Waldheil aufzustellen. Die meisten Mitglieder des Vereins Waldheil haben gar nicht die Absicht, sich auf ihrem Grund und Boden anzusiedeln. Die allermeisten wollen nur Lauben und Gartenhäuser errichten, soweit sie nicht überhaupt ihr Land verpachten.
IV. Auf die einzelnen Forderungen der politischen und Kirchengemeinde Lieskau ist zunächst zu entgegnen, daß sie alle darauf zugeschnitten sind, daß sich auf dem Waldheilgrundstück eine Bevölkerung ansiedelt, die Kirchen-, Schul-, Armen- und sonstige Gemeindelasten verursacht. Dies ist durchaus nicht zu erwarten, wie beifolgenden Verzeichniß der Vereinsmitglieder, soweit sie Eigentum an dem Grundstück haben, beweist. Die Namen und Zwecke der Eigentümer sind in den Plan rot eingetragen.
Aber auch wenn man mit der Möglichkeit rechnen wollte, daß die Grunstücke und daß insbesondere das hier in Rede stehende Haus einmal von anderen Leuten, z. B. einer Arbeiterfamilie bewohnt würde, so würden die Forderungen der beiden Gemeinden ungerechtfertigt sein.
Zunächst ist auf allen Waldheilgrundstücken, soweit sie im Eigentum einzelner Vereinsmitglieder stehen, eine Baubeschränkung eingetragen, wonach nur herrschaftliche Häuser im Villenstil errichtet werden dürfen.
Sodann sind sämmtliche Forderungen der Gemeinden in einer Beziehung unsubstanziiert und einfach aus den Vollen gegriffen. Eine ganze Anzahl scheidet von vornherein aus, weil die Ansprüche keine solchen sind, welche durch die Ansiedlung als solche begründet werden.
An und für sich muß sich die Gemeinde jeden Zuzug von außerhalb ohne Weiteres, und ohne daß sie von dem Anziehenden etwas verlangen dürfte, gefallen lassen. Bei einer außerhalb der geschlossenen Ortschaft erfolgenden Ansiedlung dürfen logischer Weise nur solche Mehrlasten der Gemeinde in Betracht gezogen werden, welche eben durch die entfernte Lage begründet sind.
Nach diesem Gesichtspunkt scheiden folgende Forderungen der politischen Gemeinde ohne Weiteres aus:
No. 2 des Protokolls vom 19. Februar 1910: Armenlasten: Denn es muß bestritten werden, daß die entfernte Lage der Ansiedlung diese Lasten vergrößern.
No. 3: Erweiterung des Friedhofes, desgleichen.
No. 4. Schullasten ebenso.
No. 5: Mehrbelastung des Pfarrers und Küsters.
No. 6: Vergrößerung der Gemeindearbeiten.
Ferner ist zu bemerken:
zu No. 1: Schädigung der Jagd:
Diese muß durchaus bestritten werden. Es mag zunächst festgestellt werden, wie hoch sich die gesammte Jagdpacht der Gemeinde stellt. Eine Einbuße von 320 Mk. – Dies sind die Zinsen der geforderten 8000 Mk. Sicherheit, ist keinesfalls zu erwarten. Ueberhaupt aber hängt doch der Bestand an Rehwild, der ohnehin in der Dölauer Heide gering ist, nicht grade an dem Austrittsplatz der Tiere, der übrigens als solcher ebenfalls bestritten wird. Die Länge des Waldrandes im Lieskauer Flur ist etwa 300 Mt. Die Länge der Waldheilgrenze am Walde etwa 170 Mt. Dies zeigt schon allein die ganze Willkürlichkeit der Forderung der Gemeinde. Uebrigens tritt trotz des neuerdings auf dem Waldheilgrundstück sich entwickelnden Verkehrs, das Rehwild, wie der Augenschein lehrt, nach wie vor dort aus. – Wieso eine Schädigung des übrigen Wildes eintreten soll, ist schlechterdings nicht zu begreifen.
Die Verringerung des freien Landes, das ja dem Wilde nötig ist, kann keinesfalls einen Schadensanspruch begründen; denn, wie gesagt, die Niederlassung an sich ist erlaubt; auch darf Jedermann sein Land mit Zäunen versehen. Störend könnte höchstens ein absichtliches Schädigen des Wildes, etwa durch Fallen, Schlinge oder dgl. sein; solches aber ist durchaus nicht zu erwarten.
zu No. 7: Nachtwächterdienste nur auf Kosten des Antragstellers – wird als berechtigt anerkannt, rechtfertigt aber keine Kaution.
zu No. 8: Wasserversorgung lehnt die Gemeinde ab. Erstens hat die Gemeinde Lieskau selber noch keine Wasserversorgung außer durch einen Brunnen. Es ist selbstverständlich, daß sie dem Antragsteller sowenig einen neuen Brunnen bauen wird, wie sie ihn anderen Neuzuziehenden, die in der Dorflage kürzlich gebaut haben, neu Brunnen schafft.
Sollte die Gemeinde einmal Wasserleitung anlegen, so ist selbstverständlich, dass der Antragsteller, ebenso wie die übrigen Haus- oder Grundeigentümer Anschluß zu fordern berechtigt ist. Er verlangt aber nicht, daß ihm die Gemeinde den Strang auf der ganzen Strecke von der Dorflage bis hin zu seinem Grundstück auf ihre Kosten legt. Das Richtige und Billige ist vielmehr, daß der Antragsteller die Kosten der Leitung zwischen der Dorflage und seiner Grundstücksgrenze selber trägt, im uebrigen aber den anderen Dorfbewohnern ganz gleichgestellt wird.
Einer solchen Beschränkung seiner Ansiedelung würde sich der Antragsteller gern fügen. Zu irgend einer Sicherheitsstellung ist kein Anlass.
zu No. 9: Warum die Gemeinde vom Antragsteller ein Kanalprojekt verlangt, während er doch die Ansiedlung nur für sich allein fordert und während sie selber weder Kanal und Kanalprojekte hat, ist nicht ersichtlich.
zu No. 10: Ein jederzeit offener Weg führt zum Grundstück des Antragstellers wohl. Ein weiteres Erforderniß stellt das Gesetz nicht auf. Auch keine polizeiliche Abordnung kann etwas Anderes verlangen.
Insbesondere ist nicht daran zu denken, daß der Ausbau des von dem Waldheilgrundstück nach Lieskau führenden Weges angeordnet oder vom Antragsteller oder dem Verein Waldheil gefordert werden könnte. Was der Antragsteller oder der Verein etwa in Zukunft fordern könnten, wäre die Pflasterung der beiden das Vereinsgrundstück aufschließenden Straßen. Diese haben eine Gesammtfläche des Fahrdammes von 1800 gutl, würden also, da das gut Pflasterung nach einer dem Verein gemachten Offerte 4,00 Mk. kostet, einen Gesammtaufwand von 7200 Mk. verursachen. Auf jede er 35 Waldheilparzellen entfielen also etwa 200 Mk. Zur Hinterlegung dieses oder eines mäßig höheren Betrages ist der Antragsteller bereit, sofern die bestimmungsmäßige Verwendung gesichert ist.
Allgemein mag noch bemerkt werden, daß die Gemeinde durch ihre Selbstverwaltungsbefugnisse vollkommen in der Lage ist, etwaige kostspielige Gelüste des Antragstellers oder anderer Mitglieder des Vereins Waldheil im Zaumen zu halten.
V. Betreffs der Eingabe der Kirchengemeinde bemerke ich:
1. Das Zugeständnis, daß sich die Kirchengemeinde auf ihren ablehnenden Standpunkt deshalb stellt, weil die politische Gemeinde gegen die Ansiedlung sei, nimmt der Eingabe von vornherein den Anspruch, ernst genommen zu werden. Uebrigens fordert auch die politische Gemeinde eine Sicherheit gegen Kirchenlasten, sodaß der Antragsteller, wenn beide Forderungen berücksichtigt werden, doppelt gestraft ist.
2. Die „äußerste“ Befürchtung, daß der Kirchengemeinde schwere Lasten durch die Ansiedlung erwachsen werden, schwebt in der Luft; eine Substanziierung oder Begründung der Befürchtung fehlt völlig. Solche offenbar aus bloßen sachlich nicht begründeten Gefühlen entsprungene Einwände sind nicht zu beachten.
3. Die beiden Ansprüche auf Sicherheit für Erweiterung der Kirche und Erschwerung des Kirchendienstes sind unbeachtlich, weil beide Mehrlasten bei jedem Zuzug eintreten und and die Entfernung der Ansiedlung vom Dorfe nicht gebunden sind. Der Zuzug an sich kann, wie oben wiederholt betont, nicht abgelehnt werden.
Wollte man aber eine Erschwerung des Kirchendienstes darin sehen, daß der Pfarrer bei kirchlichen Handlungen, die auf dem Ansiedlungsgrundstück vorzunehmen wären, einen weiteren Weg hätte als bisher, so wäre diese Belastung bei der Seltenheit der Inanspruchnahme so verschwindend, daß sie überhaupt nicht meßbar wäre. Uebrigens ließe sich eine Entschädigung des Seelsorgers in solchem Fall wohl dadurch erzielen, daß für seine Wege nach der Ansiedlung eine besondere Gebühr festgesetzt würde. Diese könnte im vorliegenden Verfahren bestimmt werden. Einer Sicherheitsleistung dafür bedarf es aber keinesfalls, weil die Inanspruchnahme des Pfarrers stets eine freiwillige ist.
Die Ansprüche der Kirchengemeinde auf Sicherheitsleistung sind daher in vollem Umfange unbegründet.
Der Rechtsanwalt.
gez. M e y e r
Quelle:Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
Quellen:
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Kolonie "Waldheil" bei Lieskau
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 43 vom 25.10.1934
Protokolle des Gemeindekirchenrates (GKR) Lieskau zur Kolonie "Waldheil", aus dem Protokollbuch Lieskau 1864 - 1928 im Pfarrarchiv Dölau (Transskriptionen: Raimund Hoenen)
Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 – 1936
Verhandelt in der gemeinsamen Sitzung des Gemeinde-Kirchenrates u. Schulvorstandes am 16. Juni 1910
Anwesend sind vom Gemeinde-Kirchenrat der Vorsitzende und die Mitglieder: Hartwig und Hage; vom Schulvorstand ebenfalls der Vorsitzende und die Mitglieder: Hartwig, Hage und Dräßig.-
1) In Ansiedelungssachen des Eisenbahnobersekretärs Gustav [sic!] Braun in Halle a. S. beschließt der Gemeinde-Kirchenrat: Der verehrliche Kreisausschuß wird gebeten, dem p Braun die Genehmigung zum Bau eines Einfamilienhauses in der sogenannten Kolonie Waldheil bei Lieskau nur unter der Bedingung zu erteilen, daß vor der Errichtung dieses Hauses eine Summe von 850 M hinterlegt und daß der Kirchengemeinde die Befugnis der Verwendung dieser Summe, wenn die Kolonie wegen Veränderungen bzw. einer Neuordnung der Kirchenverhältnisse irgendwie erfolgen müsse, zuerkannt wird. Die Höhe der zu hinterlegenden Summe bestimmt sich mit Rücksicht darauf, daß, wie früher schon bemerkt worden ist, eventuell eine Vergrößerung der Kirche nötig wird und Erschwerung des Pfarr- und Küsterdienstes eintritt, wovon man die Summe von im ganzen 25 000 M ansetzen zu müssen glaubt, was auf ca. 30 Einfamilienhäuser verteilt die obige Summe bedingt. – Spätere Fälle dieser Art sollen dem voranstehenden Beschluß gemäß ohne weiteres erledigt werden.
2) Der Schulvorstand beschließt, im Hinblick auf eine in Ansiedelungssachen die Kolonie Waldheil betreffend bereits zweimal ergangene Mitteilung des Kreis-Ausschusses, daß Anträge des Schulvorstandes in Ansiedelungsangelegenheiten keine besondere Berücksichtigung finden können, da Lieskau einen Einzelschulverband bildet und die Schullasten demgemäß sich als Gemeindelasten darstellen, diesmal und auch bei eventuell später noch zur Verhandlung kommenden Ansiedelungsangelegenheiten von der Stellung besonderer Anträge abzusehen. Die politische Gemeinde soll hiervon ein für allemal in Kenntnis gesetzt werden.
3) Es ist eine Beschwerdeschrift des Telegrafensekretärs Braun in Halle a.S. gegen die Festsetzung des Kreis-Ausschusses von dem letzteren zur eventuellen Gegenerklärung eingegangen. Der Gemeinde-Kirchenrat beschließt, eine solche nicht abzugeben, dagegen die früher erhobenen Ansprüche neuerdings geltend zu machen mit der Begründung, daß sie mit allem Ernst und wohlbedacht erhoben seien, weil Belastungen durch die sogenannte Kolonie Waldheil nach allgemeiner Ansicht ebenso wie für die politische auch für die Kirchen-Gemeinde früher oder später sicher entstehen werden, wenn sich diese auch gegenwärtig des genaueren noch nicht auf- und feststellen lassen.
B) Das von der Königl. Regierung eingeforderte neue Gehaltsverzeichnis der I. Lehrerstelle wird festgestellt und unterschrieben.
V. g u. Hintzsche, Pastor, Vorsitzender Hartwig, Hage, Dräßig.
[Anmerkung: Dem Gemeindekirchenrat gehören vier Mitglieder an: Pfr. Hintzsche, Hage, Hartwig und August Knaut. Dem Schulvorstand gehören seit dem 01. 04. 1908 sechs Mitglieder an: Pfr. Hintzsche (Vorsitzender), Gemeindevorsteher Schulze (Vertreter des Vors.), der 1. Lehrer Dräßig, die Schöffen Hage und Hartwig, sowie Schmiedemeister Medewisch. (vgl. auch: Chronik der Schule in Lieskau, 2007, S. 71: Schulunterhaltungsgesetz vom 28. Juni 1906)]
Verhandelt Lieskau den 13. Mai 1912
in der Sitzung der kirchlichen Gemeinde-Vertretung.
Zur Versammlung gehören 12 Mitglieder und der Vorsitzende. Die absolute Majorität beträgt 7. Anwesend sind 9 Mitglieder. Die Versammlung ist beschlussfähig.
Eingegangen ist der Beschluß des Provinzialrates in Waldheilangelegenheiten. Er hat bereits dem Gemeinde-Kirchenrat zur Kenntnisnahme vorgelegen. Eine einberufene Versammlung war nicht beschlußfähig.-
Der Vorsitzende verliest den Beschluß; er lautet für die Kirchengemeinde durchaus ungünstig. Leider aber weiß kein Mitglied Rat und Tat, dagegen etwas weiteres unternehmen zu können. Soweit bekannt, wird auch die politische Gemeinde irgendwelche Gegenmaßnahmen nicht treffen. Die Versammlung beschließt notgedrungen, dasselbe zu tun.
Auf Antrag des Herrn Rendanten wird beschlossen, in der guten Stube der Küsterei einen neuen Ofen zu setzen.
V. g. u.
Hintzsche, Pastor, Vors., Götze, Friedrich.
Verhandelt Lieskau den 19. Mai 1912
in der Sitzung der kirchlichen Gemeindevertretung.
Von 13 Mitgliedern sind 7 Mitglieder anwesend.
1) Der Vorsitzende teilt mit, daß er im Namen des Gemeinde-Kirchenrates doch noch eine Eingabe an den Provinzialrat in Waldheilangelegenheiten gemacht hat. Da aber die Vertretung der politischen Gemeinde beschlossen hat, weitere Schritte nicht zu tun, wird die kirchliche Gemeinde in Zukunft ebenso verfahren.
2) Der Vorsitzende gibt Aufklärung über den Verlauf der Tonverkaufsangelegenheit, und wurden dadurch eingetretene Mißverständnisse und Irrtümer aufgeklärt.
V. g. u. Hintzsche, Pastor, Vorsitzender. Hartwig, Medewisch.
Verhandelt Lieskau, den 2. Juni 1912
in der Sitzung der kirchlichen Gemeinde-Vertretung
und des Schulvorstandes
Von beiden Körperschaften ist eine Majorität von Mitgliedern gegenwärtig…
I. Punkt [Neue Ton-Offerte auf einem Morgen Küsteracker]
II. Punkt. Der Vorsitzende teilt mit, daß er auf seine Eingabe das Waldheil betreffend vom Provinzialrat Bescheid dahingehend erhalten hat, dass der Vorsitzende dieser Behörde, wenn er nach Halle komme, sich die Wünsche der Gemeindekirchenvertreter vortragen lassen wolle. Es wird beschlossen, daß der Gemeinde-Kirchenrat sich bei dieser Versammlung, wenn möglich, vollzählig beteiligen solle.
III. Betreffend Teilung der Mädchen im Handarbeitsunterricht wird beschlossen, daß die Mädchen der I. Klasse von Frau Kantor, die sich dazu bereit erklärt hat, unterrichtet werden sollen, die Mittelklasse soll Frau Hirsch behalten; auch soll ihr einstweilen die Entschädigung dafür nicht gekürzt werden, da Frau Kantor sich mit 45 Mark pro anno begnügen will.
IV. Nach Kenntnisnahme einer Verfügung des Herrn Kreisschulinspektor betreffend Einführung von Handfertigkeitsunterricht für schulentlassene Jugend, erklärt der Schulvorstand, daß hierorts bis auf weiteres davon noch abgesehen werden müsse.
V. g. u
Hintzsche Pastor, Vorsitzender.
Dräßig, I. Lehrer, Götze, Friedrich.
Eintrag ins VereinsregisterDer Verein "Waldheil e.V." verabschiedete am 3.Juli 1909 in der Mitgliederversammlung seine Satzung und wurde am 26. Juli 1909 unter der laufenden Nummer 134 ins Vereinsregister der Stadt Halle (Saale) eingetragen.
Bei der Gründung bestand der Vorstand aus dem Juwelier Franz Tittel, dem Magistratssekretär Hermann Rühlemann und dem Postassistenten Johannes Krüger. Als Stellvertreter wurden der Kaufmann Johannes Kralle, der Eisenbahnsekretär Franz Braun sowie der Mathematiker K. Greiner, alle wohnhaft in Halle, eingetragen.
Die Akten des Vereins Waldheil sind verloren gegangen, so dass für eine geschichtliche Darstellung nur wenige Quellen zur Verfügung stehen.
Der zu seinen Lebzeiten bekannte Heimatforscher Baron Dr. Siegmar von Schultze-Galléra leistete einen erheblichen Beitrag zur Aufdeckung der Geschichte und Kulturentwicklung der Stadt Halle und ihrer Umgebung. Sein umfangreiches Werk beinhaltet unter anderem zahlreiche Titel, die sich mit der Dölauer (Halleschen) Heide befassen. Aus diesem Grunde soll der Germanist und Historiker an dieser Stelle mit einer kurzen Biografie gewürdigt werden.
Baron Dr. Siegmar von Schultze-Galléra (6.1.1865 - 15.9.1945)
Siegmar Schultze wurde als Sohn eines aus dem Saalkreis stammenden Regierungsbeamten in Magdeburg geboren. Seinen Adelstitel erwarb er 1904 mittels einer Namensadoption durch Baron Arthur von Galéra.
Schon in seiner Jugendzeit interessierte sich Schultze-Galléra intensiv für Heimatgeschichte. Dennoch studierte er zunächst in Halle an der Saale Germanistik, Literatur, alte Sprachen und Geschichte, um - der Familientradition folgend - Oberlehrer zu werden. Nach dem Studium und dem Probejahr für den Schuldienst entschied er sich gegen das Lehramt für eine Universitätslaufbahn. Er wurde 1887 zum Dr. phil. promoviert und arbeitete anschließend als Lehrer in Halle. Nach der Habilitation im Jahre 1892 für das Fach Germanistik war Schultze-Galléra als Privatdozent für Neuere und Moderne Literatur an der Universität Halle tätig. 1893 heiratete er Lazy Lözius. Aus der Ehe entstammen drei Söhne und zwei Töchter.
Nachdem die wissenschaftliche Karriere im Bereich der Literaturwissenschaft wenig erfolgreich verlief, wandte sich Schultze-Galléra bereits 1910 der Heimatgeschichte zu. 1912 veröffentliche er erstmals ein heimatgeschichtliches Werk unter dem Titel „Geschichte des Saalkreises von den ältesten Zeiten ab" (Halle: Nietschmann, 1912). Mit den "Wanderungen durch den Saalkreis" (Halle: Nietschmann; Karras & Könnecke, 1913 - 1924) legte er die Grundlage für seine umfassende Arbeit auf dem Gebiet der Heimatforschung. Insgesamt liegen mehr als 1000 heimatgeschichtliche Einzeltitel vor. Den Schwerpunkt der historischen Arbeiten bilden Veröffentlichungen über die Saalestadt Halle und den Saalkreis. Neben 27 selbständig erschienenen Titeln finden sich hauptsächlich Aufsätze in diversen Tageszeitungen, Zeitschriften und Heimatkalendern.
1932 legteSchultze-Galléra seine Vorlesungstätigkeit nieder und wurde fünf Jahre später formal von den amtlichen Verpflichtungen entbunden. Schließlich wurde seine Dozentur 1943 wegen "nichtarischer" Abstammung" für "erloschen" erklärt.
Während Schultze-Galléras literaturwissenschaftliche Arbeiten in der Fachwelt nur in geringem Maß gewürdigt wurden, leistete er einen unverzichtbaren Beitrag zur Dokumentation der geschichtlichen und kulturellen Entwicklung der Stadt Halle und ihrer Umgebung. Der Historiker verstarb am 15.9.1945 im Alter von 80 Jahren in Nietleben bei Halle und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Granauer Friedhof im Saalkreis. Eine Gedenktafel an der Ruine der zerstörten Kirche von Granau erinnert an den Heimatforscher.
Quellen:
Neuss, Erich; Schmalfeld Tassilo:
Bibliographie der heimatgeschichtlichen Arbeiten von Dr. Siegmar v. Schultze-Galléra anlässlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages
In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Gesellschafts- und Sprachwissenschaftliche Reihe. - 13 (1964), 8, S. 521 – 538
Personen der Heimatgeschichte: Siegmar von Schultze-Galléra
http://www.nietlebener-heimatverein.de/thema/schultze-gallera.htm
Eberle, H.:
Galéra, Siegmar Baron von
http://www.historikertag2002.uni-halle.de/druck/halle_geschichte/galera.shtml
Gedenktafel an der Granauer Kirche (Foto: J Baltz) Franz Tittel als Initiator der Waldheil-Kolonie
Angeregt durch die Ideen der am Ende des 19. Jahrhunderts aufgekommenen „Gartenstadtbewegung“ und durch einen Besuch in den „Rudolstädter Tränken“ entstand die Idee, auch den Hallenser Stadtbewohnern die Möglichkeit zu geben, sich stadtnah in der Natur zu erholen.
So entwarf er um 1909 ein Anschreiben, in dem er für den Beitritt zu einem neu zu gründenden Verein „Waldheil“ einlud. Zweck des Vereins sollte es sein, am Rande der Halleschen Heide eine Sommer- und Laubenniederlassung zu erbauen und seinen Mitgliedern durch einen gemeinschaftlichen Erwerb des Baugrundes einen preisgünstigen Zugang zur Verwirklichung dieser Idee zu gewähren.
Das Schreiben enthielt bereits einen Lage- und Bebauungsplan der verkäuflichen Baustellen (insgesamt ein Areal von ca. 50 Morgen Ackerland), verschiedene Architektenentwürfe für die geplanten Sommer- und Einfamilienhäuser sowie eine Karte der Halleschen Heide.
Biografie von Franz Robert Tittel
Franz Robert Tittel kam am 2. Oktober 1860 in Halle an der Saale als Sohn einer alten Halleschen Familie zur Welt. Sein Großvater, der 1791 geborene Johann Gotthelf Tittel, war Zimmermann und Magazinverwalter an der Halleschen Saline. 1825 wurde sein Vater, der Lehrer Gottlieb Friedrich Robert Tittel, geboren. Er wurde vor allem als Mitbegründer des Pestalozzi-Vereins bekannt. Daneben rief er den „Ornithologischen Zentralverein für Sachsen und Thüringen“ ins Leben und war u. a. Mitglied im Halleschen Vogelschutzverein.
Am 1. Oktober 1885 gründete der 25jährige Franz Robert Tittel in seinem Geburtshaus vor dem Rannischen Tore 3b (später Liebenauer Str. 165) ein Juweliergeschäft. Später spezialisierte er sich auf Bestecke und betrieb ab den 30er Jahren das vermutlich größte Spezialgeschäft für Bestecke in Mitteldeutschland.
Obwohl Tittel in der Stadt aufgewachsen war, war er sehr naturverbunden und fühlte sich in der Stadt eingeengt. Seit etwa 1901 wohnte er im Sommer aus gesundheitlichen Gründen außerhalb von Halle in einer Sommerwohnung, was zur damaligen Zeit noch sehr ungewöhnlich war. Es führte bei vielen Stadtbewohnern zu Unverständnis und brachte ihm den Ruf ein, einen „Naturfimmel“ zu haben.
Tittel zeichnet maßgeblich verantwortlich dafür, dass die Dölauer Heide für die Hallenser erschlossen wurde. So gründete er 1904 den Heide-Verein, und auch die Entstehung des Heidemuseums im Jahre 1909 geht auf ihn zurück. Tittel war nicht nur Vorsitzender des Heide-Vereins, sondern auch des Heimat- und Vogelschutzvereins. In zahlreichen Vorträgen trat er für die Erhaltung der heimischen Vogelwelt ein.
1909 kam es schließlich auf Tittels Initiative zur Gründung des Vereins „Waldheil e.V.“ mit dem Ziel, am Rande der Heide bei Lieskau eine Sommerhäuser- und Laubenniederlassung zu errichten. Im Volksmund wurde diese Siedlung „Tittelei“ genannt, wie in der Saale-Zeitung vom 30.01.1935 zu Ehren seines 75. Geburtstages im Jahre 1935 berichtet wurde.
Verdient machte sich Franz Robert Tittel ferner durch seinen intensiven Einsatz für deutsche Kriegs- und Zivilgefangene und Vermisste des ersten Weltkrieges sowie deren Angehörige. Bis 1932 stellte er sein Haus in der Schmeerstraße 12 und Teile seiner Privatwohnung unentgeltlich für diesen Zweck zur Verfügung. Im Nachlass Tittels im Stadtarchiv Halle finden sich zahlreiche Zeugnisse dieser Arbeit, für die er 1920 mit der Rote-Kreuz-Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet wurde.
Im Januar 1934 schließlich übernahm der fast 74jährige die Aufgabe, dem Heide-Verein ein neues Heidemuseum zu geben, nachdem das erste Heidemuseum im ersten Weltkrieg untergegangen war.
In Anerkennung der Verdienste des Ehrenvorsitzenden des Heide-Vereins und unbesoldeten Stadtrates rund um die Heide wurde in dem Waldgebiet ein Gedenkstein (der sogenannte "Tittelstein") errichtet. Außerdem wurde ein Weg im nördlichen Teil der Heide nach ihm benannt („Tittelweg“).
Franz Robert Tittel verstarb am 18. März 1936 und wurde auf dem Halleschen Stadtgottesacker beigesetzt.
Quellen:
Schick, Manfred:
Dem Schöpfer des neuen wie ehemaligen Heidemuseums, Herrn Juwelier Franz Tittel
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 31 vom 02.08.1934, S. 1 - 2
Tittel, Franz Gerhard:
Zur Geschichte des Golschmiedebetriebes Juwelier Tittel - Halle. - Halle, [ca. 1958]. - Stadtarchiv Halle: Nachlass Franz Robert Tittel
Ur- und Frühgeschichte
Schon früh gab es menschliche Besiedlung in der Dölauer Heide. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte man Kenntnis von urgeschichtlichen Siedlungen. Durch mehrfache Ausgrabungen und archäologische Funde konnten unterschiedliche Siedlungsepochen belegt werden. Bereits zwischen 3500 und 3000 vor Chr. lebten Angehörige der Baalberger Kultur, die zur frühen Trichterbecherkultur der Jungsteinzeit gerechnet wird, in der Heide. Im Umfeld der Bischofswiese konnte eine befestigte Siedlung nachgewiesen werden, die etwa zwischen 3500 und 2800 vor Chr. existierte. Auch am Nordrand des Waldgebietes wurden Siedlungsplätze der Baalberger und Salzmünder Kultur gefunden. Die mittelneolithischen Heidebewohner waren Ackerbauern und Viehhalter, die urtümliche Weizenarten, wie Emmer und Einkorn sowie Gerste anbauten. Als Nutztiere hielten sie Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen sowie als Haustiere Hunde.
Um 2500 vor Chr. existierte eine von einer Palisade umgegebene Siedlung der Bernburger Kultur auf dem Langen Berg. In dieselbe Zeit gehört der älteste Nachweis für die Salzgewinnung im zentralen Mitteleuropa. Das bedeutet also, dass die Salzgewinnung im Gebiet um Halle schon für die Zeit um 2500 vor Chr. nachgewiesen wurde.
Zahlreiche Grabfunde zeugen von der wechselvollen Siedlungsgeschichte. Sie werden z. B. detailliert in der „Geschichte der hallischen Heide: vier Jahrtausende“ von Schultze-Galléra (s. u. Quellen) beschrieben. Viele Funde gehen auf die Steinzeit zurück. Die größte Bedeutung nehmen Gräber der spätjungsteinzeitlichen Schnurkeramiker ein, die aus der Zeit von 2200 – 2000 vor Chr. stammen. Es handelte sich um eine die Sonne verehrende, kunstreiche Kultur, deren Mitglieder zwar in Erdgruben, Schild- und Holzhütten lebten, ihre Toten jedoch in Steinkistengräbern bestatteten. In die jüngere Steinzeit ist auch die bekannte „Steinerne Jungfrau“ bei Dölau einzuordnen, ein mehrere Meter hoher Steinmonolith, um den sich viele Sagen ranken. Vermutlich handelt es sich um ein Götterbild oder einen astronomischen Sonnenzeiger. 1930 wurden in der Nähe der Gaststätte „Waldkater“ Scherben aus der Glockenbecherkultur (um 2000 vor Chr.) gefunden.
Um 1000 vor Chr. siedelten sich jungbronzezeitliche Bevölkerungsgruppen auf der Bischofswiese und dem Langen Berg an, die sich ebenfalls intensiv mit der Salzgewinnung befassten, was durch Funde entsprechender Gerätschaften belegt ist, während über das sonstige Wirken dieser Siedler wenig bekannt ist.
Um die Zeit der Geburt Christi und in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende finden sich keine Spuren von Besiedelung in der Heide. Die Heide bestand als „wilder Urwald“, der auch noch in Quellen aus dem 9. und 10. Jahrhundert in dieser Weise beschrieben wird. Das damalige Waldgebiet umfasste u. a. die heutigen Gebiete von Wörmlitz, Böllberg, Halle, Kröllwitz, Trotha, Lettin, Schiepzig und Salzmünde.
Erste Ansiedlungen in der Neuzeit
Ab ca. 500 nach Chr. siedelten die Germanen in der Heide. Ihnen folgten im 7. und 8. Jahrhundert die Wenden (Sorben). Insgesamt gab es 14 wendische Siedlungen, von denen sieben untergingen. Viele aktuelle Ortsnamen der Heidedörfer gehen noch heute auf die germanische und wendische Besiedlung zurück. Nietleben war beispielsweise eine germanische Siedlung, was die Endung „-leben“ für „Hinterlassenschaft“ oder „Erbgut“ verdeutlicht. Viele Heidesagen haben ihren Ursprung im Götterglauben der Wenden, so etwa die Sage um die weiße Frau bzw. Prinzessin Zorges.
Zum Ende des 8. Jahrhunderts entstanden als Stützpunkte der Franken die Burgbezirke Salzmünde, Holleben und Lettin, zu welchem das Heidegebiet gehörte. Um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert gehörte die Heide zum Hochseegau und gelangte in der Folgezeit unter die Herrschaft des Markgrafen Gero von Alsleben. Seine Nachkommen übereigneten das Waldgebiet schließlich dem Erzbistum Magdeburg.
Wechselvolle Geschichte im Mittelalter
Ab 1145 gehörte die Dölauer Heide zum Erzbistum Magdeburg, später zum Herzogtum Magdeburg. Unter den Erzbischöfen wurde das Heidegebiet in unterschiedlich große Teilstücke untergliedert, die sogenannten „Heidemarken“, welche zur Bewirtschaftung freigegeben wurden. Sie wurden an Vasallen, den Landadel sowie Patrizier der Stadt Halle verliehen. Daneben wurden auch Stifte und Klöster in Halle mit Heidemarken belehnt. Die Heidemarken konnten mit Genehmigung des Erzbischofs weiterverkauft und vererbt werden. Die Besitzer nutzten die Heidemarken zur Gewinnerzielung, denn der Holzverkauf brachte hohe Erlöse, weil für die anhaltende Bautätigkeit der wachsenden Stadt und für die Befeuerung der Saline große Holzmengen benötigt wurden. In dieser Zeit erfolgte die Abholzung des Waldes am Ufer der wilden Saale, bis schließlich das ganze Gelände zwischen Saale und heutiger Heide waldfrei wurde. Insbesondere der Bau von Block- und Fachwerkhäusern führte zu einer erheblichen Dezimierung des Waldbestandes. Auch für gewerbliche und private Heizzwecke geschlagene Hölzer leisteten ihren Beitrag zur Verkleinerung des Waldes.
Unter den Erzbischöfen begann eine intensive Jagdnutzung der Heide. Um sich selbst sein Jagdgut zu sichern, gliederte schließlich der damalige Erzbischof Johann 1470 das Heidegebiet in das Pfänner“gehege“ und ein kleineres, aber wildreicheres erzbischöfliches Jagdgebiet, das „Gehege“ (= Heide), auf. Der Wald befand sich in einem schlechten Zustand. Die unterschiedliche Abholzung der einzelnen Heidemarken und das Fehlen einer geregelten Forstbewirtschaftung führten zu einem ungleichmäßigen Aussehen des Waldes. Ein durch lang anhaltende Trockenheit hervorgerufener Brand setzte dem Wald im Jahre 1474 weiter zu. 1561 ließ die Stadt Halle 66 Scheffel Eicheln stecken, um die Situation zu verbessern.
Während sich die ersten Administratoren im 16. Jahrhundert wenig um die Heide kümmerten, war der Wald ein gefährliches Gelände, in dem sich Wölfe herumtrieben und in das sich nur wenige wagten. Erst der Administrator Christian Wilhelm nahm eine planmäßige Pflege der Waldbestände in Angriff. So baute er u. a. ein Jagdschlösschen bei Nietleben, legte einen Tiergarten an und pflanzte mehrere tausend Bäume. Diese pflegerischen Ansätze wurden allerdings mit dem Einfall der Schweden während des 30jährigen Krieges zunichte gemacht, als die Heide große Verwüstungen erlebte. Viele Heidedörfer wurden zerstört und wiederum große Baumbestände abgeholzt. Die Heide war oftmals Fluchtort vor plündernden Soldaten. Auch nach dem Ende des Krieges blieb die Heide lange unsicher, da sie nun ein Zufluchtsort für Landstreicher und entlassene Soldaten war. Verbotenes Jagen und Wildern waren an der Tagesordnung. Der Wald war Schauplatz für zahlreiche Verbrechen. Heftige Sturmkatastrophen trugen außerdem ihren Teil dazu bei, den Zustand des Waldes zu verschlechtern.
1680 ging die Heide in kurbrandenburgischen Besitz über. Während der Pest um 1681/1682, der in Halle mehrere tausend Menschen zum Opfer fielen, war die Heide Zufluchtsort vor der tödlichen Seuche.
Ab 1701 gelangte die Heide in königlich-preußisches Eigentum, und das königlich-preußische Forstamt erhielt 1714 seinen Sitz in Halle. Trotz zahlreicher Gesetze zum Schutz der Wälder führten die eingeleiteten Maßnahmen nicht zum erhofften Erfolg.
Beginn der Industrialisierung
Mit der Errichtung der Kröllwitzer Papiermühle 1715/1716 hielt die Industrie Einzug ins Heidegebiet. Sie wurde die wirtschaftliche Grundlage der Kröllwitzer Bevölkerung, während das Fischereihandwerk in den Hintergrund trat. Ab 1715 schürfte man in Zscherben nach Braunkohle. In Dölau wurde 1736 mit dem Steinkohlebergbau begonnen, und bis 1806 wurden insgesamt 561863 Tonnen abgebaut (7400 Tonnen jährlich im Durchschnitt). Nach den Freiheitskriegen wurde auch in Lieskau Kohle gefördert, was man aber bereits 1820 wieder aufgab. 1826 wurde in Nietleben das Bergwerk „Neuglück“ eröffnet, welches einhundert Jahre in Betrieb war. Dem Kohlebergbau folgte der Abbau weiterer Bodenschätze, wie z. B. die Gewinnung von Kaolin bei Lettin und Dölau. Der Bergbau verursachte umfangreiche Schäden in der Heide, so kam es u. a. zu Erdrutschen.
Die Dölauer Heide als Ausflugsgebiet
Im 19. Jahrhundert begann die Erschließung der Heide als Ausflugsgebiet. Schon bald gehörten gemeinsame Himmelfahrts- und Pfingstausflüge zu beliebten Freizeitbeschäftigungen der Hallenser Bürger. 1807 entwickelte der bekannte Hallenser Arzt Reil die Idee, Halle zu einem Badeort zu machen, da Halle „in einer angenehmen Gegend liege“. Seine hoffnungsvollen Pläne wurden jedoch durch die napoleonischen Kriege zerstört. Die Vernichtung von Holzbeständen, Abholzung sowie Holzdiebstähle führten zur weiteren Verringerung des Waldbestandes. Um ihre Kriegsschulden zu begleichen musste der Magistrat der Stadt Halle, in deren Besitz sich der in der Westheide gelegene Lintbusch seit 300 Jahren befand, das Gebiet an den Rittmeister a. D. Koch verkaufen.
Nach dem Friedensschluss wurde Halle 1815 wieder dem Königreich Preußen zugeordnet. In den Folgejahren war die Heide Schauplatz von tödlichen Duellen und Treffen für Burschenschaften, ab 1850 fanden auch Mensuren statt.
1824 führt Friedrich Hesekiel in seinem Buch „Blicke auf Halle und seine Umgebungen“ in dem Kapitel „Von den näher oder ferner von Halle liegenden, von Hallischen Einwohnern gewöhnlich besuchten Lustörtern“ die Dölauer Heide ausdrücklich auf.
Bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts existierten keine Ausflugsgaststätten im Waldgebiet. In den Heidedörfern Nietleben, Dölau und Lieskau gab es Dorfschenken, in Kröllwitz die 1800 gegründete Bergschenke. Zwischen Saale und Heidegebiet lagen die Weinberge, das bekannteste Lokal war der Weinberg des Hallenser Philosophen Carl Friedrich Bahrdt.
Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen diverse Ausflugs- und Gaststätten in der Heide auf. Anfang der 40er Jahre entstand der „Rote Mohr“, dessen Standort 1848 der Hallenser Carl Gottlieb Schurig als „Schurigs Schenkbude“ übernahm. Sie erhielt später den Namen „Waldkater“. 1853 wies Franz Knauth in seinem „Wegweiser durch Halle und seine Umgebungen“ ausdrücklich auf die Heide und den am Südwestrand der Heide gelegenen Waldkater hin. Der Waldkater wurde im Laufe der Zeit von einer Strohhütte zur Blockhütte und blieb lange die einzige Einkehrstätte im Heidegebiet. Nachdem er 1877 abbrannte, entstand im Folgejahr ein Fachwerkneubau, auf den später ein Stockwerk aufgesetzt wurde. 1902 folgte ein noch größerer Neubau.
Die kulturelle Bedeutung der Heide
Die Entdeckung der Heide als Erholungswald führte zur Gründung diverser Vereine, die unterschiedliche Ziele verfolgten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gründete sich die Gesellschaft „Kasino“, die sich später „Kolk-Gesellschaft“ nannte. Gemeinsam mit dem 1865 gegründeten Verschönerungsverein errichtete die Kolk-Gesellschaft 1880 auf dem Tonberg den Kolkturm.
1904 gründete der Hallenser Juwelier Franz Robert Tittel den ersten Heide-Verein, dem bis heute noch drei weitere folgen sollten. Auf Initiative des Heide-Vereins wurde 1909 das erste Heidemuseum im Wärterhaus des Kolkturms eingerichtet. Das Heidemuseum wurde gemeinsam mit dem Kolkturm 1921 durch Vandalismus zerstört. Im Laufe der Geschichte folgten weitere Versuche, ein neues Heidemuseum zu etablieren, die 1976 mit der Auflösung der Sammlung endgültig aufgegeben wurden.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Heide auch Schauplatz politischer Versammlungen, so fanden während des Sozialistengesetzes (1878 – 1890) Treffen der Sozialdemokraten statt, die als Spaziergänge getarnt wurden. Außerdem gab es 1890 erstmals einen Festzug anlässlich des 1. Mais von Halle in die Heide hinein.
Kirchliche Gemeinschaften nutzten den Wald ebenfalls als Versammlungsstätte. So wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Heide von christlichen Vereinen und evangelischen Kirchengemeinden wie z. B. der Stadtmission Freiluftgottesdienste und Konferenzen abgehalten, die bis zu 500 Besucher zählten.
Verkehrs- und Freizeitinfrastruktur
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts durchzogen zwei Straßen das Heidegebiet. Eine nördliche Straße verlief von Beesenstedt über Dölau, die Brandberge und Kröllwitz über die Saale hinweg in südöstliche Richtung. Die zweite Straße, welche südlich von Eisleben nach Halle führte, wurde 1807/08 unter westfälischer Herrschaft ausgebaut und 1843 – 1847 unter den Preußen erneuert. Zwanzig Jahre später entstand die Eisenbahnlinie von Halle nach Kassel, die das Heidegebiet jedoch nur im südlichen Zipfel tangierte. Mit der Entstehung der Halle-Hettstedter-Eisenbahn im Jahre 1896 erfolgte schließlich ein wichtiger Schritt zur verkehrstechnischen Erschließung der Dölauer Heide. Die Eisbahnlinie verband die Stadt Halle vom Klaustorbahnhof aus mit dem südlichen Vorharz. Die Strecke berührte Nietleben, die Dölauer Heide, Dölau und Lieskau und erschloss damit die Heide für den Vorort- und Ausflugsverkehr. Außerdem führten zwei Straßenbahnlinien von der Mansfelder Straße zum Weinberg und zur Heide und von der 1928 neu erbauten Kröllwitzer Brücke zu den Brandbergen und erleichterten damit den Städtern die Anfahrt zur Heide.
Der erwartete Ansturm von Besuchern durch die verbesserten Verkehrsverbindungen hatte die Gründung weiterer Ausflugslokale zur Folge. Bereits 1870 war das Heideschlösschen am Nordrand der Heide entstanden. 1897 eröffnete der „Pfälzer Schützenhof“ (später als „Heidepark“ bekannt). Im selben Jahr wurde in der Nähe des Heidebahnhofs bei Dölau „Leistners Waldhaus“(später „Waldhaus Heide“) eingeweiht. 1900 wurde das Waldhaus als exklusives Luftkurhotel mit Badeanstalt, Logierhaus, Massage- und Bädermöglichkeiten fertig gestellt. Die positive wirtschaftliche Entwicklung wurde jedoch durch den ersten Weltkrieg untergraben, das Haus 1929 als „Waldhaus Heide“ von der Stadt Halle übernommen. Nach dem zweiten Weltkrieg diente es als Wohn- und Unterrichtsheim.
Am Waldrand bei Dölau öffnete 1900 der „Heidekrug“ und wurde für seine Mittwochnachmittagskonzerte bekannt, nach dem ersten Weltkrieg insbesondere für seine Heidefeste. Nach dem zweiten Weltkrieg war er Treffpunkt für Heimatvertriebene, ab 1959 Gaststätte der Handelsorganisation und ab 1974 polnische Nationalitätengaststätte.
„Schurigs Garten“ entstand 1901. Er befand sich in der Nähe des „Waldkaters“ und bot einen Panoramablick über die ganze Stadt Halle. Ab den 20er Jahren lief das Lokal unter dem Namen „Schillers Garten“, ab 1932 als „Hubertus“. Es war für Morgen- und Frühschoppenkonzerte an Sonn- und Festtagen bekannt und wurde in der DDR-Zeit baschkirische Nationalitätengaststätte.
1902 eröffnete die „Obstweinschenke“ und 1904 die „Waldlust“ („Knolls Hütte“). „Knolls Hütte“ wurde zum populärsten Gartenlokal in der Dölauer Heide. Am Nordrand gelegen, stellte es besondere Attraktionen bereit, wie z. B. einen Kinderspielplatz mit Karussells. Es wurde in der DDR-Zeit ebenfalls von der Handelsorganisation übernommen und als ungarische Nationalitätengaststätte geführt. 1992 wurde es wieder eröffnet.
1907 entstand an der Nordostecke der Heide (an der Ecke von Wald- und Nordstraße) das „Erholungsheim Heide“. Ab 1908 gab es dort große Freikonzerte. Das Erholungsheim wurde 1938 zur Jugendherberge Halle.
Im Jahre 1909 rief der Hallenser Juwelier und Vorsitzende des Heide-Vereins, Franz Robert Tittel, durch ein öffentliches Anschreiben zur Gründung einer Lauben- und Sommerhauskolonie am Heiderand auf. Angeregt durch das Vorbild der Rudolstädter Tränken sollten auch die Hallenser Bürger die Möglichkeit erhalten, sich stadtnah in der gesunden Natur zu erholen. Für sein Vorhaben hatte er sich das Vorkaufsrecht für ein Ackergebiet am Köllmer Weg direkt am Westrand der Heide bei Lieskau gesichert. Der neu zu gründende Verein "Waldheil e.V." sollte auf 200 Mitglieder beschränkt bleiben, die nach detailliert festgelegten Bedingungen ein Sommerhaus bzw. eine Laube auf ihrem Grundstück errichten konnten. Tittels Plan fand zahlreiche Interessenten, so dass am 03.07.1909 der Verein im Vereinsregister der Stadt Halle an der Saale eingetragen werden konnte. Allerdings konnten die ursprünglichen Ideen durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges nicht wie geplant verwirklicht werden. 1912 entstand zwar das erste Wohnhaus, eine Villa, der erste Weltkrieg verhinderte jedoch einen schnelleren Ausbau des Areals. 1920 gab es 21 Besitzer in der Kolonie. Bedingt durch die allgemeine Wohnungsnot wurde die Kolonie schließlich zur ständig bewohnten Siedlung. Nach dem zweiten Weltkrieg dienten neben den Lauben auch in der Kolonie aufgestellte Eisenbahnwaggons als Unterkünfte für Flüchtlinge und Vertriebene. Einer der ursprünglichen Waggons befindet sich auch heute noch auf dem Gelände der Kolonie.
Im Gegensatz zu den anderen Teilen des Heidegebietes, blieb der westliche Teil lange Zeit ohne eigenes Ausflugslokal. Obwohl Franz Tittel schon in seinem Anschreiben von 1909 die Einrichtung einer Gaststätte auf dem Gelände der Kolonie „Waldheil“ erwähnte, wurde erst zum Pfingstfest 1931 die Gaststätte „Waldheil“ am Köllmer Weg eingeweiht. Sie wurde zum Schauplatz zahlreicher Feste. 1986 wurde das Lokal nach umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten wieder eröffnet, steht inzwischen jedoch bereits seit mehreren Jahren leer.
Aufforstung und Neugestaltung der Heide ab dem 19. Jahrhundert
Nachdem in den vergangenen Jahrhunderten die Ausbeutung der Holzbestände und die industrielle Nutzung der Heide dem Wald stark zugesetzt hatten, erfolgte ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Umwandlung der Laubwaldungen in schnellwüchsige, ertragreiche Kiefernforste. Mit flächenhaften Ansäungen, Pflanzungen und Rodungen wurde die Forstwirtschaft intensiviert. Bis 1865 wurde der Ostteil der Dölauer Heide mit einem mit Kiefern aufgeforsteten Stück erweitert. Nach der Aufgabe der Bergbautätigkeit wurde von 1870 bis 1890 zwischen der Westgrenze der Heide und dem Lintbusch hauptsächlich mit Kiefern aufgeforstet, so dass zur Wende zum 20. Jahrhundert eine Kiefernmonokultur vorlag. 1917 wurde in Halle eine Oberförsterei eingerichtet.
1929 ging die Dölauer Heide während der Amtszeit des Bürgermeisters Rive durch Kauf in den Besitz der Stadt Halle über, und die Oberförsterei wurde aufgelöst. Mit der parkartigen Ausgestaltung des Saaletals zwischen Forstwerder und der Insel Peißnitz und der Verbindung der beiden Landschaftsbereiche durch mit Bäumen und Sträuchern gesäumte Alleen entstand ein einzigartiger Grüngürtel im Westen der Stadt. Die Stadt richtete ein eigenes Dezernat für den Wald ein und ergriff umfangreiche Maßnahmen zur Aufforstung. Schon im ersten Jahr wurden 18000 Laub- und 24000 Nadelbäume angepflanzt und Samen zur Aufzucht von Jungbäumen ausgesät. Der 1929 wieder neu gegründete Heide-Verein unterstützte tatkräftig die pflegerischen Maßnahmen der Stadt durch umfangreiche Aktivitäten.
1931 wurde ein Teil des Geländes nordwestlich des Tagebaurestloches des „Neuglücker Vereins“ nach der Einstellung der Bergbautätigkeit aufgeforstet. Ein anderer Teil wurde für Obstplantagen und Kleingärten zur Verfügung gestellt. Mit der Flutung eines Tagebaurestloches entstand schließlich der ca. 1000 m lange und 300 m breite Heidesee (Bruchfeldsee) bei Nietleben. 1954 wurde das Volksbad Heide eingerichtet. Neben der Aufforstung ausgewählter Flächen wurden vielfältige Möglichkeiten der Freizeitbeschäftigung geschaffen. Der Heidewald wurde aus dem Wirtschaftswald ausgegliedert und dient inzwischen ausschließlich der Naherholung. Die gesamte Fläche steht unter Landschaftsschutz. Naturnahe Laubwaldbestände auf der Bischofswiese und dem Langen Berg bzw. dem Lintbusch unterliegen seit 1961dem Naturschutz. Seit 1979 erfolgte eine planmäßige Verjüngung der überalterten Wald- und Forstabteilungen. Ab 1984 war der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Hettstedt mit Sitz in Wippra Rechtsträger und Besitzer der Dölauer Heide. Seit 1991 befindet sich die Heide wieder im Eigentum der Stadt Halle an der Saale.
Quellen:
Albrecht, Torsten [u.a.]:
Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe: Beiträge zur Geographie, Pflanzen- und Tierwelt, Geschichte sowie Gefährdungen, Schutz- und Pflegemaßnahmen des halleschen Stadtwaldes/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle: 1993
Die Dölauer Heide ist Landschaftsschutzgebiet
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Eröffnung des Heide-Museums im Waldhaus Heide
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 26 vom 28.06.1934, S. 1 - 2
Schenken, Herbergen und Hotels in Alt-Halle: Ausflugsziel „Waldheil“
In: Liberal-Demokratische Zeitung. Ausgabe Halle. – Halle, Saale. – 42 (1987), Nr. 141 vom 17.6.1987
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Geschichte der Hallischen Heide: vier Jahrtausende
In: Der Heide-Bote. – 12 (1938), Nr. 43 vom 18.11.1938 bis 13 (1939), Nr. 26 vom 30.06.1939
Ders.:
Die Heide - der hallische Stadtwald. - Halle (Saale): Akad. Verl., ca. 1945. - (Beiträge zur Geschichte der Stadt Halle und Umgebung; 6)
Weiterführende Links:
Gaststätten in der Dölauer Heide
Geschichte der Dölauer Heide
Die Dölauer Heide blickt auf eine bewegte Geschichte durch die Jahrtausende zurück. Die Erschließung und Aufdeckung der geschichtlichen Abläufe, auch der Stadt Halle und ihrer Umgebung, sind eng mit dem Namen des Hallenser Heimatforschers und Germanisten Baron Dr. Siegmar von Schultze-Galléra verknüpft. In umfangreicher Detailarbeit und Recherchetätigkeit leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Dokumentation der historischen und kulturgeschichtlichen Vergangenheit der Region, was sich in einem mehr als eintausend Titel umfassenden heimatgeschichtlichen Werk niederschlug. Damit ist dieses Werk nicht zuletzt auch die Grundlage für die unten stehenden Ausführungen und soll an anderer Stelle durch eine kurze Biografie des Heimatforschers gewürdigt werden.
Geschichte der Dölauer Heide
Bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit war die Heide als Wald vorhanden, vermutlich als Eichenwald. Allerdings erstreckte sich das Waldareal über eine wesentlich größere Fläche als heute. Durch eine umfangreiche Ausbeutung der Holzbestände, insbesondere durch das Aufkommen der Salzsiedereien und die Industrialisierung im Raum Halle hat die Waldfläche stark abgenommen. Mit ihrer heutigen Ausdehnung von ca. 7 qm² ist sie dennoch das größte zusammenhängende Waldgebiet im Bereich des Saalkreises
. HeidemuseumDer im Jahre 1904 gegründete Heideverein verfolgte unter anderem das Ziel, die Bevölkerung über den natürlichen Reichtum der Heide zu informieren. Gleichzeitig hatten die Mitglieder das Anliegen, die Mitbürger anzuregen, zum Schutz und Erhalt des Gebietes beizutragen. Aus dieser Intention heraus entwickelte der Vorsitzende und Mitbegründer des Heide-Vereins, der Juwelier Franz Robert Tittel aus Halle, die Idee eines Heidemuseums.
Das erste Heidemuseum wurde im Jahre 1909 eröffnet. Es fand seinen Platz im Wächterhaus des 1880 von Heide-Verein und Verschönerungsverein erbauten Kolkturms auf dem Tonberg und war jeweils am Sonntag für Besucher geöffnet. Zu den Ausstellungsstücken zählten hauptsächlich Präparate der in der Heide lebenden Tiere, vor allem aus der Vogelwelt. Der Kolkturm und das Heidemuseum wurden 1921 durch Vandalismus zerstört und die Exponate gestohlen.
Mit der Neugründung des im Zuge des ersten Weltkriegs untergegangenen Heide-Vereins im Jahre 1929 wurde 1934 auch das Heidemuseum neu belebt. Wiederum ging die Initiative von dem inzwischen 74jährigen Franz Robert Tittel aus. Mit einem deutlich erweiterten Ausstellungsumfang wurde es in fünf Räumen im Waldhaus Heide eröffnet. Neben diversen Sammlungen von Vögeln, Insekten, Säugetieren und Pflanzen aus der Dölauer Heide enthielt die Ausstellung Informationen zu geologischen Profilen und Bodenschätzen, archäologische Fundstücke und Literatur über die Heide sowie Fotografien. Eine besondere Kostbarkeit stellte eine 200 Jahre alte handgezeichnete Karte der Heide dar. Außerdem wurden die Ausstellungsräume durch zahlreiche Grafiken und Gemälde mit Heidemotiven von Halleschen Künstlern bereichert, die gestiftet oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Wie das erste Heidemuseum erreichte auch das zweite nur eine kurze Lebensdauer und fiel im zweiten Weltkrieg einem Luftangriff zum Opfer.
1952 entstand der Arbeitskreis „Dölauer Heide“ und eröffnete am 19. April 1953 ein drittes Heidemuseum. Zunächst wurde es im ehemaligen „Heideschlösschen“ in Dölau, dem damaligen Kulturhaus der MTS Schiepzig untergebracht. Am 20. Februar 1955 fand es Raum in der Gaststätte „Waldkater“ am Südrand der Heide. Wie in den ersten beiden Museen bestand die Ausstellung aus Darstellungen zur Geologie und Besiedlungsgeschichte sowie zur Pflanzen- und Tierwelt der Dölauer Heide. Die Exponate wurden teilweise aus Privatbesitz, teilweise vom Rat der Stadt und der Naturschutzverwaltung zur Verfügung gestellt. Ein besonderer Schwerpunkt lag bereits auf der Naturschutzerziehung. Während des Sommerhalbjahres hatte das Museum umfangreiche Öffnungszeiten und war insgesamt bis 1972 geöffnet. Nach diesem Zeitpunkt waren Besichtigungen nur noch auf Anmeldung möglich. Das dritte Heidemuseum wurde schließlich 1976 aufgegeben. Aufgrund von mangelnder Pflege waren viele Exponate verrottet oder wurden an die Eigentümer zurückgegeben.
Die Dölauer Heide/ Hrsg.: Geschichtsmuseum der Stadt Halle, Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik – Stadtleitung Halle, Kreiskommission der Natur- und Heimatfreunde. – Halle, 1976
Rund um die Geschichte des Heidemuseums
In: Halle <Saale>: Amtsblatt der Stadt Halle (Saale). - 8 (2000), 14, S. 6
Schick, Manfred:
Dem Schöpfer des neuen wie ehemaligen Heidemuseums, Herrn Juwelier Franz Tittel
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 31 vom 02.08.1934, S. 1 - 2
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Eröffnung des Heide-Museums im Waldhaus Heide
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 26 vom 28.06.1934, S. 1 - 2
Schwarze-Neuss, Elisabeth:
Die Heidevereine
In: Albrecht, Torsten [u.a.]: Die Dölauer Heide - Waldidylle in Großstadtnähe/ Magistrat der Stadt Halle, Dezernat Umwelt- und Naturschutz. - Halle: 1993. - S. 115 - 118
Tittel, Franz Gerhard:
Zur Geschichte des Golschmiedebetriebes Juwelier Tittel - Halle. - Halle, [ca. 1958]. - Stadtarchiv Halle: Nachlass Franz Robert Tittel
Sagen
Um die Dölauer (Hallesche) Heide ranken sich viele Sagen,
die sich in zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen haben.
Unten finden Sie eine kleine Auswahl.
Weitere Sagen finden Sie in den angegebenen Literaturhinweisen.
Der Schatz in der Heide
Auf der Bischofswiese soll einer der Erzbischöfe von Magdeburg, die jahrhundertelang die hallischen Stadtherren waren und auf dem Giebichenstein und auf der Moritzburg residierten, in unruhigen Kriegszeiten seinen Schatz vergraben und ihn später nicht wiedergefunden haben. Auf dieser Wiese war nämlich früher ein Kolk, d. h. ein sumpfiges Gelände. In warmen Sommernächten entstiegen ihm Gase, die sich entzündeten und als Irrlichter umhergeisterten. Aber die Menschen glaubten, es brenne der Schatz, und viele haben nachts danach gegraben. Ohne Erfolg. Es heißt, dass nur ein unbescholtenes Sonntagskind ihn eines Tages heben wird.
Die unheimliche Gestalt in der Heide
Einstmals kam ein hallischer Fischer auf seinem Heimwege nach Mitternacht durch die Dölauer Heide. Als ihm seine Tabakspfeife ausgegangen war, lehnte er sich an einen Baum, um sie wieder anzuzünden.
Plötzlich erblickte er ganz in der Nähe eine männliche Gestalt, die unter einem Baum saß. Sie war nur mit Hemd, Unterhose und weißer Zipfelmütze bekleidet, und neben ihr lag ein langes Messer. Der Fischer war zu Tode erschrocken und wusste nicht, wie er sich verhalten solle. Er fürchtete, dass die Gestalt jeden Moment aufspringen und mit dem Messer auf ihn losgehen könnte.
Aber das tat sie nicht, ja sie schien den Fischer gar nicht zu bemerken, sondern starrte unverwandt auf ihre Hände und bewegte sie, als ob sie sie wasche.
Da bemerkte der Fischer, dass die Hände und die Hose der unheimlichen Gestalt ganz blutbesudelt waren.
Während er noch überlegte, ob er die Erscheinung ansprechen oder sich heimlich entfernen solle, schlug die Nietlebener Turmuhr die erste Stunde, und im Nu war die Gestalt verschwunden.
Als der Fischer am andern Tag erzählte, was ihm nachts in der Heide widerfahren war, sagte man ihm, an der genannten Stelle sei vor Jahren ein Mord begangen worden, der bisher noch nicht gesühnt wurde.
Die Heideprinzessin (Prinzessin Zorges, Die weiße Frau)
In der Dölauer Heide gibt es einen Berg, der früher den Namen Zorgesberg trug. In seinem Innern soll sich ein herrliches Schloss befinden, in dem die Prinzessin Zorges wohnt. Sie ist in diesen Berg verbannt worden und darf ihn nur um Mitternacht verlassen. Dann erscheint sie denen, die zu dieser Zeit durch den Wald kommen, in schwarzem Kleid mit weißer Schürze und einer hohen schwarz-weiß gewürfelten Mütze auf dem Kopf.
So hat sie schon manchen, der Unrechtes vorhatte, mit rasselndem Schlüsselbund erschreckt. Wer aber ein gutes Gewissen hat, braucht von ihr nichts zu fürchten. Den belohnt sie und bittet ihn um Beistand, damit sie erlöst werden könne.
Manchmal reitet sie auch in weißem Kleid auf einem schwarzen Pferd in Begleitung eines Hundes nach dem Granauer Holz. Am "weißen Berge" taucht sie als "weiße Frau" auf und hat dort schon mehrmals Fuhrleute vor einem Waldgeist gewarnt, der auf den Straßen der Gegend gern die Wagen umgeworfen hat.
Die Prinzessin Zorges ist aber auch die "weiße Frau", die man in Dölau öfters in einer von Ziegenböcken gezogenen Kutsche umherfahren sieht.
Wie immer sie in Erscheinung tritt, wenn die Kirchturmuhr eins schlägt und das Ende der Geisterstunde anzeigt, muss sie in ihren Berg zurück.
Der wilde Jäger in der Heide
An stürmischen Abenden im November oder in den Zwölfnächten tobt der wilde Jäger mit seinem Gefolge durch die Dölauer Heide. Ohne Kopf auf einem Schimmel sitzend, führt er die "wilde Jagd" an, zu der auch eine Hundemeute gehört. Wem sie begegnet, der sollte sich sogleich flach auf die Erde werfen. Dann zieht alles über ihn hinweg, und er nimmt keinen Schaden.
Schlimm aber ergeht es denen, die den wilden Jäger anschauen oder ihn gar verspotten. Denen dreht er den Kopf so um, dass die Augen nach hinten schauen, oder er macht, dass solchen Menschen ein grässlicher Buckel wächst.
Zuweilen reitet der wilde Jäger nicht in der Heide, sondern über sie hinweg durch die Lüfte. Das ist stets ein böses Vorzeichen, denn innerhalb von drei Tagen gibt es dann immer Stürme und Unwetter.
Der wilden Jagd kann man in den Herbst- und Winternächten, aber auch im Mittelholz bei Gutenberg und an anderen Orten begegnen.
Quelle:
Lemmer, Manfred:
Der Saalaffe: Sagen aus Halle und Umgebung. Ausgewählt und neu erzählt. - 1. Aufl. - Halle: VEB Postreiter-Verl., 1989
Heilungen am Kolkturmberg
Am Kreuzweg zu Füßen des alten Bischofsberges in der Dölauer Heide, der jetzt wegen des Kolkturmes, der auf ihm errichtet wurde, der Kolkturmberg heißt, soll es in fernen Jahrhunderten zu wunderbaren Heilungen gekommen sein. Wer sich das Bein verrenkt hatte, brauchte nur dorthin zu kommen, einen Stein auf den Fuß des vertretenen Beines zu legen, ihn üben den Kreuzweg zu schleudern, und schon war er geheilt. Auch Lahme auf Krücken brauchten diese nur über den Kreuzweg zu werfen und konnten danach unbehindert heimgehen.
Auch andere Krankheiten soll man dort auf wunderbare Weise losgeworden sein.
Lemmer, Manfred:
Der Saalaffe: Sagen aus Halle und Umgebung. Ausgewählt und neu erzählt. - 1. Aufl. - Halle: VEB Postreiter-Verl., 1989
Neuß, Erich:
Johannes und der Heidewald
In: Heideverein <Halle, Saale>: Jahresbericht des Heidevereins in Halle. – Halles, S.: Gebauer-Schwetschke, 1932. - S. 10 - 19
Schramm, Hans Joachim:
Von der Dölauer Heide bis Rothenburg an der Saale: Sagen - Bräuche - Geschichten. - 1. Aufl. - Halle: Schwarzberg. - (Sagenhafte Heimat; 1)

Blick vom Waldheil nach Lieskau
(Foto: Heidi Hannemann)
Die Interessengemeinschaft Waldheil e.V. besteht seit dem 31. Juli 2000.
Der Name geht auf den ursprünglich im Jahre 1909 enstandenen Verein Waldheil e.V. zurück,
der sich auf Initiative des in Halle ansässigen Juweliers Franz Robert Tittel gründete.
S A T Z U N G
der Interessengemeinschaft Waldheil e. V.
§ 1
Name, Sitz, Geschäftsjahr
1. Der Verein führt den Namen Interessengemeinschaft Waldheil e. V.
2. Der Verein hat seinen Sitz in Lieskau.
3. Der Verein wird im Vereinsregister beim Amtsgericht Halle-Saalkreis eingetragen.
4. Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.
§ 2
Vereinszweck und Gemeinnützigkeit
1. Die gemeinnützigen Zwecke des Vereins sind auf das Allgemeinwohl der Bürger gerichtet wie
- Förderung des Heimatgedankens (als sozialem Erfahrungs- und Zugehörigkeitsraum),
- Förderung der Verkehrssicherheit und der Unfallverhütung,
- Förderung des Natur- und Umweltschutzes (Verhinderung von Schädigungen des natürlichen Lebensraumes)
sowie aller damit im Zusammenhang stehenden Maßnahmen.
2. Der Zweck des Vereins ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet.
3. Der Verein dient ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen Zwecken im Sinne des Vereinigungsgesetzes und der Abgabenordnung.
Die Mittel des Vereins dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden (gemäß § 55 (1) Abgabenordnung).
Die Mitglieder dürfen keine Gewinnanteile und in ihrer Eigenschaft als Mitglieder auch keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln des Vereins erhalten.
4. Es darf keine Person durch Verwaltungsausgaben, die den Zwecken des Vereins fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden.
5. Ein Rechtsanspruch auf die Gewährung von Vereinsleistungen besteht nicht.
§ 3
Mitgliedschaft
4. Mitglieder können werden:
a. Einzelpersonen,
b. Familien,
c. Unternehmen.
Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist ein schriftlicher Aufnahmeantrag, der an den Vorstand des Vereins zu richten ist.
Über die Anträge auf Aufnahme entscheidet der Vorstand mit Stimmenmehrheit.
4. Sonstige Mitglieder kann der Vorstand mit einstimmiger Entschließung aufnehmen.
5. Die Mitgliedschaft erlischt
a. durch Kündigung
Die Kündigung ist nur zum Schluss des Geschäftsjahres unter Einhaltung einer Frist von mindestens 6 Monaten zulässig;
b. durch Tod des Mitgliedes;
c. durch Auflösung von Mitgliedsunternehmen
4. Jedes Mitglied hat eine Stimme.
§ 4
Rechte und Pflichten der Mitglieder
1. Alle Mitglieder des Vereins haben die gleichen Rechte und Pflichten.
Die Mitglieder sind verpflichtet, die Bestimmungen der Satzung und die Beschlüsse der Mitgliederversammlung einzuhalten.
Sie sind aufgefordert, den Vorstand bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu unterstützen.
2. Der Verein soll sich aus Spenden und Zuwendungen finanzieren.
3. Der Verein kann zur Erfüllung seiner Aufgaben von den Mitgliedern einen Beitrag erheben. Die Höhe und die Fälligkeit des Beitrages wird durch eine jährlich von der Mitgliederversammlung zu beschließende Beitragsordnung festgesetzt.
§ 5
Organe des Vereins
a. die Mitgliederversammlung;
b. der Vorstand.
§ 6
Mitgliederversammlung
1. Mitgliederversammlungen finden nach Bedarf bzw. wenn mindestens 1/3 der Mitglieder dies fordert, statt.
Sie sollen schriftlich durch den Sprecher des Vorstands mit einer Frist von mindestens zwei Wochen unter Bekanntgabe der Tagesordnung einberufen werden.
2. In jedem Jahr muss eine Mitgliederversammlung stattfinden.
Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefaßt.
3. Satzungsändernde Beschlüsse bedürfen einer Mehrheit von 2/3 der abgegebenen Stimmen, wobei mindestens 50 % der Mitglieder anwesend sein müssen.
4. Festlegungen der Mitgliederversammlung sind zu protokollieren und allen Mitgliedern zuzustellen, satzungsändernde Beschlüsse sind dem Registergericht unverzüglich zuzustellen.
§ 7
Die Jahresmitgliederversammlung ist insbesondere zuständig für folgende Aufgaben
a) Entgegennahme des Geschäftsberichts und der Jahresrechnung
b) Genehmigung des Geschäftsberichts
c) Abnahme der Jahresrechnung
d) Entlastung des Vorstandes
e) Wahl des Vorstandes
f) Festsetzung des Haushaltsplanes für das laufende Geschäftsjahr
g) Genehmigung der Beitragsordnung
h) Wahl des Rechnungsprüfers
i) Änderung der Satzung
j) Auflösung des Vereins.
§ 8
Vorstand
1. Der Vorstand besteht aus drei oder fünf Mitgliedern.
Er wird aus der Mitgliederversammlung gewählt.
Der Vorstand bestimmt aus seiner Mitte den Sprecher.
2. Jedes Vorstandsmitglied ist für sich allein Vertreter des Vereins im Sinne des BGB.
3. Der Vorstand kann zu seiner Unterstützung einen Beirat berufen und Ausschüsse einsetzen.
4. Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung auf die Dauer von zwei Jahren gewählt. Der Vorstand bleibt bis zur Wahl des neuen Vorstandes im Amt.
Wiederwahl ist zulässig.
5. Der Vorstand entscheidet in allen Angelegenheiten, die nicht der Beschlussfassung der Mitgliederversammlung unterliegen bzw. in der Satzung geregelt sind.
6. Der Vorstand hat den Haushaltsplan des Vereins vor Beginn des Geschäftsjahres aufzustellen.
§ 9
Auflösung des Vereins
1. Der Verein kann durch Beschluss der Mitgliederversammlung aufgelöst werden.
Hierbei ist eine Mehrheit von zwei Drittel aller Mitglieder erforderlich.
2. Die Auflösungsversammlung muss mit einfacher Stimmenmehrheit eine anderweitige gemeinnützige Verwendung des Vereinsvermögens beschließen.
Der Beschluss darf erst vom Liquidator ausgeführt werden, wenn die schriftliche Bescheinigung des zuständigen Finanzamtes über die Anerkennung derselben als gemeinnützige Körperschaft vorliegt.
§ 10
Die ganze oder teilweise Unwirksamkeit einer der Bestimmungen berührt nicht die Wirksamkeit der übrigen Bestimmungen.
Lieskau, 31. Juli 2000
Kolonie Waldheil
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Luftbild der Kolonie Waldheil
Ehemalige Gaststätte Waldheil am Rand der Kolonie Waldheil
Ehemalige Gaststätte Waldheil am Rand der Kolonie Waldheil
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Straßenbau zwischen Lieskau und Waldheil (in den 1930er Jahren) mit Kalkstein aus dem Steinbruch Lieskau
Bau des Doppelhauses Waldheil 8/9
Bau des Doppelhauses Waldheil 8/9
Spaziergänge am Heiderand
Spaziergänge am Heiderand
Im Garten der ehemaligen Gaststätte Waldheil
Pavillon in der ehemaligen Gaststätte Waldheil
Erstmalige Wahl der Heidekönigin im Garten der Gaststätte Waldheil (09.07.1988)
Erstmalige Wahl der Heidekönigin im Garten der Gaststätte Waldheil (09.07.1988)
Erstmalige Wahl der Heidekönigin im Garten der Gaststätte Waldheil (09.07.1988)
Erstmalige Wahl der Heidekönigin im Garten der Gaststätte Waldheil (09.07.1988)
null
Gartenweg mit Pappeln im Grundstück Waldheil 14 im Jahr 1937
Wohnhaus der Familie Pelliccioni (Waldheil 14) im Jahr 1937
Wohnhaus der Familie Pelliccioni (Waldheil 14) im Jahr 1937
Gartenhaus im Eichenweg (1937)
Historische Karten null null null
Franz Robert Tittel
(Bleistiftzeichnung von seinem Sohn Franz Gerhard Tittel, 1928)
Hallesche Heide, Köllmer Weg
Postkarte Nr. 18 Verlag des Heide-Vereins
Maler: A. Wessner-Collenbey
Tittels Garten 1996
Tittels Garten im Oktober 1996
Franz Robert Tittel mit Sohn Gerhard, 1903
Franz Robert Tittel mit Sohn Gerhard, 1925
Die Suchstelle nach vermissten deutschen Kriegern bei Juwelier Tittel in Halle
Tittels Juweliergeschäft in Halle
Tittels Juweliergeschäft in Halle (innen)
Tittels Juwelierladen-Schild in Halle
Tittels Heim um 1953
Familie um 1942
Tittels Garten um 1914
Aquarell vom Rehteich in der Heide
Das Wappen der Familie Tittel
Granauer Weg, Ecke Köllmer Weg in LieskauHeidebahnhof
Postkarte - Herstellung vor 1905
Quelle: Sammlung Dr. Alter, Halle
Heidemuseum um 1925
Waldheilweg um 1920
Postkarte Verlag Franz Jähnert Halle
Quelle: Sammlung Dr. Alter, Halle
Dölauer Heide
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Blick aus der Dölauer Heide in Richtung Halle-Nord bzw. Halle-Neustadt
„Waldheil“
Hallesche Sommerhäuser- und Lauben-Niederlassung (E. V. ) Halle a. S.
Vorläufige Geschäftsstelle bei Franz Tittel, Juwelier, Halle a. S.
Halle a. S., Tag des Poststempels
Euer Hochwohlgeboren
gestatte ich mir hierdurch zum Beitritt zu dem zu begründenden Verein
“Waldheil“
höflichst einzuladen. Seit 8 Jahren, als ich mir aus Gesundheitsrücksichten nach überstandener, schwerer Erkrankung eine Sommerwohnung im benachbarten Dorfe Wörmlitz mietete, schwebt mir die Idee zur Gründung eines derartigen Vereins vor, die ich von Jahr zu Jahr mehr ausgearbeitet und vertieft habe. Es ist daher nur natürlich, daß ich mich für alle ähnlichen Einrichtungen sowie für die neuerdings aufgetauchte Gartenstadtbewegung, die Anlage von Arbeiterwohnhäusern mit einem halben Morgen großen Garten als Rentengüter, den Wettbewerb der Woche bezüglich der Ferienhäuser usw. inzwischen lebhaft interessiert habe.
Dabei habe ich gefunden, daß die Bewegung, welche darauf hinzielt, den Städtern Gelegenheit zu bieten, sich möglichst viel außerhalb der Stadt in frischer gesunder Luft aufzuhalten, nicht erst der Neuzeit angehört, sondern bei uns in Deutschland schon alt ist. Ich erinnere nur an die
Vereinshäuser-Kolonie (die 1. bis 5. Vereinsstraße),
die anfangs der 70er Jahre mit finanzieller Unterstützung unseres verstorbenen verdienstvollen Mitbürgers, des Herrn Kommerzienrats Riebeck vor dem Rannischen Tore unserer Stadt entstanden ist, an die Gartenhäuser Ludwig etc., die schon zu alten Zeiten ebendort erbaut sind, an Goethes Gartenhaus und die vielen anderen Gartenhäuser, die zu damaliger Zeit außerhalb Weimars und in der Nähe vieler andere Städte bestanden.
Besonders ideal aber habe ich die Einrichtung der Rudolstädter Tränken in der Umgebung der kleinen netten Residenzstadt Rudolstadt gefunden. Diese Tränken sind uralt, sie sollen zum Teil aus alten Vogelherden entstanden sein. Es sind eingezäunte Waldparzellen, auf denen sich die Besitzer oder Pächter je nach ihren Verhältnissen Lauben oder Sommerhäuser erbaut haben. Fast jeder Bürger hat solch eine Tränke, deren es gegen 300 in der Umgegend gibt, die zum Teil ½ Stunde, zum Teil mehrere Stunden von Rudolstadt entfernt liegen. An schönen Wochen-Nachmittagen und in den Ferien sind diese Tränken der Lieblingsaufenthalt der ganzen Familie einschließlich des Mannes, wenn er nicht durch seinen Beruf verhindert ist. Sonntags zeiht man schon bei Tagesgrauen zur Tränke, um dort den ganzen Tag zu verbringen, empfängt Besuche und treibt allerhand Kurzweil. Kegelbahnen, Turngerüste, Schaukeln und auch allerhand Spielgelegenheiten für Kinder sind vorhanden. Als ich vor Jahren in einer solchen wunderbarschönen im Walde gelegenen Tränke einen herrlichen Sonntag in fröhlicher Rudolstädter Gesellschaft verbracht hatte, sagte ich mir, dass es eine außerordentlich gemeinnützige Sache, welche vielen Familien unserer lieben Stadt Halle zum großen Segen gereichen könnte, sein würde, wenn es sich ermöglichen ließe, eine ähnliche Einrichtung auch hier bei uns ins Leben zu rufen. In Rudolstadt klagte man darüber, dass im Winter oft in den Tränken eingebrochen würde, bei uns würden solche Einbrüche in Folge der Nähe der Großstadt erst recht zu befürchten sein. Auch ist bei uns der Boden viel zu hoch im Preise, als daß sich viele einzeln für sich den Ankauf von Grund und Boden leisten könnten. Vom Walde müßte man schon absehen, da von der fiskalischen Heide prinzipiell nichts verkauft wird, der Preis aber auch hierfür zu hoch wäre. So ergab sich ganz von selbst die Idee, diese Lauben und Sommerhäuser auf einem gemeinschaftlich zu erwerbenden, möglichst an die Heide angrenzenden Acker zu erbauen, den Acker einzuzäunen und waldartig zu bepflanzen, zugleich aber zur Sicherheit eine Hausmannswohnung anzubauen und einen Hausmann anzunehmen, der nebenbei die Arbeiten an den Waldanlagen zu besorgen hätte. Der Hausmannsfrau könnte dann auf Kosten des Vereins aufgegeben werden, in einer extra großen, mit Kochherden versehenen Küche unentgeltlich für die Mitglieder kochendes Wasser bereit zu halten, damit sie sich, wenn sie wollen, selbst den Kaffee kochen können, und Feuer zu unterhalten, damit sie sich zu Mittag, wenn sie schon früh herauskommen, den Braten wärmen, bezüglich das Mittagsbrot kochen können. Da der Hausmannsfrau außerdem der Verkauf von Milch, Kaffee, Bier usw. gestattet werden würde, so kann der Lohn für dieselbe nicht hoch kommen. Später, wenn Mittel genug vorhanden sind, könnte ein gemeinschaftliches Vereinshaus mit Gastwirtschaft erbaut werden, das sicher eine schöne Pachtsumme abwerfen würde.
Durch die beabsichtigte Vereinsgründung ließe sich die Schrebergartenbewegung, die Gartenstadtbewegung und die Sommer- bezüglich Ferienhäuser- und Einfamilienhäuser-Baubestrebung zu gleicher Zeit verwirklichen, nur mit dem Unterschiede, daß alle diese Anlagen in den Wald zu stehen kämen, was in gesundheitlicher Beziehung nur vorteilhafter sein würde. Die Ersparnisse bei einer gemeinschaftlichen Anlage im Vergleich zu einer Einzelanlage würden ganz bedeutend sein. Zunächst würden mindestens 1250 Mark für den Grund und Boden erspart, dann jährlich 5 % gleich 62,50 Mk. Zinsen dafür, ferner die Kosten für Instandhaltung des Gartens, die durch die Einnahmen meistens nicht gedeckt werden, mit mindestens 37,50 Mk. und bei Sommerhäusern die Kosten für die Beaufsichtigung während des Winters mit ca. 50 Mk. Es würden also jährlich ca. 150 Mk. erspart, während der Mitgliedsbeitrag für Erbauer von Häusern jährlich nur 40 Mk., für Erbauer von Lauben jährlich 30 Mk. betragen soll, ohne daß sonstige Zahlungen an den Verein entstehen. Vorausgesetzt wird dabei, daß jedes Mitglied einige Anteilscheine zu je 100 Mk. erwirbt, die aber zu 5 % und bei guter Ausbeute des Vereins zu 6 % verzinst werden und nach und nach zurückgezahlt werden sollen. Als Sicherheit für diese Anteilscheine gilt der gemeinschaftliche Grund und Boden, die Einzäunung, Bepflanzung mit Waldbäumen, die Wegeanlage, das Hausmannshaus mit Restaurationszimmer usw. Da der Wert des Ackers sich in wenigen Jahren, wenn erst mehrere Straßen in der Nachbarschaft bebaut sind, verdoppeln und verdreifachen wird, so wird der Grund und Boden allein bald Sicherheit genug bieten.
Die Zahl der Mitglieder des Vereins möchte nicht zu groß sein, damit sich dieselben nicht im Raum beengt fühlen, sie darf aber auch nicht zu klein sein, da sich sonst das Unternehmen nicht verzinst. Entsprechend groß muß auch das Grundstück sein. Ich veranschlage etwa 15 Morgen Acker und 200 Mitglieder.
Kaum zu beschreibende Schwierigkeiten bot in den vergangenen Jahren das Ausfindigmachen einer zusammenhängenden, 15 Morgen großen Ackerfläche am Heiderande. Zumeist verlangte man 2000 – 3500 Mk. für den Morgen, Preise, die gleich von vornherein die Möglichkeit der Begründung des Vereins ausschlossen. Man glaubte von mir als Vorsitzenden des Heide-Vereins außergewöhnlich hohe Preise fordern zu können und witterte die unglaublichsten Sachen hinter meiner Absicht. Ich mußte mich schließlich einer Mittelsperson bedienen, kam aber auch nicht weiter. Glaubte ich wirklich zu annehmbaren Preisen die Sache geschafft zu haben, so trat einer der Besitzer zurück, weil er es sich anders überlegt hatte.
Nur den umsichtigen, unermüdlichen ehrenamtlichen Bemühungen unseres verehrten Heide-Vereinsmitgliedes Herrn Materalienverwalter Denecke in Nietleben ist es zu verdanken, daß ich schließlich doch zu einem befriedigenden Resultate gekommen bin. Dabei hat sich auch unser verehrtes Heide-Vereinsmitglied Herr Notar Meyer um das „Waldheil“ verdient gemacht, indem er für seine wiederholten Reisen nach Nietleben mit Rücksicht auf das gemeinnützige Unternehmen Reisespesen nicht berechnet hat.
Die 5 Ackerpläne in Größe von zusammen 15 – 16 Morgen, die ich mir bis 1. Juli d. J. zum Preise von 1100 Mk. für den Morgen notariell habe anstellen lassen, liegen mit 175 m Front am Köllmer Weg, direkt dem Heiderande gegenüber und haben 270 m Front an der Lieskauer Fahrstrasse. Sie sind mit 1100 Mk. als Ackerflächen gut bezählt, bieten aber wegen ihrer schönen, geschützten Lage, 15 Minuten vom Heidebahnhofe und 15 Minuten vom Dorfe Lieskau ein vorzügliche Objekt fürs „Waldheil“. Der Weg nach Bahnhof Lieskau beträgt auf bequemer Fahrstraße 20 Minuten, nach Bahnhof Nietleben 25 Minuten, nach dem Waldkater einem schnurgeraden schönen, bisher wenig bekannten Waldwege 35 Minuten.
Nirgends in der Umgebung ist ein Fabrikschornstein zu sehen, der Baumbestand in der angrenzenden Heide ist erst etwa 35 Jahre alt, wird also erst in 50 – 70 Jahren geschlagen. Die Gegend ist auch von Heidespaziergängern bisher wenig besucht, also ruhig gelegen.
Die Monatskarten nach Bahnhof Heide kosten: Die Stammkarte 6 Mk., die Beikarten für die Familienangehörigen, Angestellten, Besuch usw. 3 Mk., so dass bei täglich zweimaliger Fahrt die einzelne Fahrt 10 bezüglich 5 Pfg. kostet. Außerdem gibt es Blockkarten zu 40 Fahrten, bei denen jede Fahrt 15 Pfg. zu stehen kommt. Züge verkehren im Sommer hinreichend viel, vielleicht ließe sich auch bei einer großen Steigerung des Verkehrs die Elektrisierung der Strecke veranlassen.
Die 15 – 16 Morgen Ackerfläche werde ich dem Verein „Waldheil“
ohne jeden Verdienst oder Vorteil für mich
zum Selbstkostenpreise überlassen, da ich die Gründung des Waldheils ebenso wie früher die durch mich bewirkte Gründung des Heide-Vereins als gemeinnützige Sache betrachte.
Nach gesetzlichen Vorschriften muß man bei Errichtung von Feuerstätten (Wohnhäusern usw.) 70 m von dem fiskalischen Walde wegbleiben. An der 175 m breiten Front am Köllmer Wege dürfen also ca. 4 Morgen nicht mit Sommer- oder Einfamilienhäusern bebaut werden. Hier könnten außer den Lauben zur gemeinschaftlichen Benutzung Kegelbahnen, Lawntennis-Plätze, Spielplätze für die Kinder, Schaukeln, Turngerüste usw. angelegt werden. Den Mitgliedern würde es dann überlassen bleiben, sich gemeinschaftlich eine Kindergärtnerin zum Spielen mit den kleineren Kindern und Lehrer zur Beaufsichtigung der Schularbeiten der größeren Kinder zu engagieren.
Die Nietlebener Wasserleitung würde sich aus nicht zu großer Entfernung von der Nietlebener Chaussee aus nach dem „Waldheil“ legen lassen, auch zum Bezug von elektrischem Licht könnte man sich der Gemeinde Nietleben anschließen.
Um zu versuchen, ob sich die Kosten für die Zuleitung nicht etwas mehr verteilen lassen, zugleich auch um zu verhindern, daß sich Fabriken oder Feuerstätten für Handwerker, sowie Arbeiterwohnhäuser gegenüber dem Waldheile ansiedeln, habe ich mir noch ca. 50 Morgen gegenüberliegenden Acker bis 1. Juli d. J. notariell anstellen lassen, den ich hiermit für Architekten und Baumeister in größeren Posten anbiete, oder in kleineren Parzellen von ½, 1/1 oder mehreren Morgen zum Bau von Einfamilienhäusern oder Sommersitzen zum Verkauf stelle. Da ich die Anstellung nur bis 1. Juli d. J. fest habe und nach dieser Zeit zu erwarten ist, daß die Besitzer weit höhere Preise fordern werden, bitte ich etwaige Reflektanten, sich baldigst persönlich mit mir in Verbindung zu setzen. Die erwähnte Verpflichtung wegen der Nichterbauung von Fabriken usw. auf dieser Ackerfläche würde ich ins Grundbuch eintragen lassen. Auch die Ackerfläche fürs Waldheil habe ich mir nur
bis 1. Juli. d. J.
anstellen lassen, erbitte mir also die Anmeldungen auf beiliegender Karte schnellstens, damit
die Gründung des Vereins Waldheil
zu der ich, um unnötige Kosten zu ersparen, nur die sich meldenden Mitglieder einladen werde, baldigst vor sich gehen kann. Mehr als zweihundert Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden.
Die Anlagekosten fürs „Waldheil" würden sich wie folgt stellen:
|
1. 15- 16 Morgen Acker je 1100 Mk. |
Mk. 17600,- |
|
2. die Einzäunung mit 5 mm Drahtgeflecht, 1 ½ m hoch, mit eisernen Pfosten und 2 Reihen Stacheldraht bis zur Höhe von 2 m |
2700,- |
|
3. Anlegung der chaussierten Wege im Waldheil, die der bewährte und verdienstvolle Wegewart des Heide-Vereins, Herr Kaufmann Birke, als Mitglied des Waldheils ehrenamtlich angeben und ebenso wie das ganze Unternehmen beaufsichtigen will |
2300,- |
|
4. Waldartige Bepflanzung, die der Inspektor unseres Botanischen Gartens, Herr Adolf Oertel, ehrenamtlich leiten und beaufsichtigen will |
2400,- |
|
5. Bau des Hauses für die Hausmannsfamilie mit extra großer Küche, extra großen Kochherden und einem Versammlungszimmer für den Verein |
12000,- |
|
6. Zuleitung der Wasserleitung und des elektrischen Lichtes |
7000,- |
|
7. Unvorhergesehenes und zur Reserve |
6000,- |
|
|
Zusammen Mk. 50000,- |
Diese 50000 Mk. könnten zum Teil durch eine erste Hypothek, zum Teil durch Anteilscheine aufgebracht werden.
Die Ennahmen des „Waldheil“ würden betragen:
|
Beitrag von 100 Mitgliedern, die Sommerhäuser bezüglich Einfamilienhäuser errichtet haben, je 40 Mk. |
Mk. 4000,- |
|
Beitrag von 100 Laubenbesitzern je 30 Mk. |
3000,- |
|
|
Zusammen Mk. 7000,- |
|
Die Ausgaben würden sich stellen: |
|
|
1. Für 4 % Zinsen auf eine erste Hypothek in Höhe von 20000 Mk. auf |
Mk. 800,- |
|
2. 5 % Zinsen für Anteilscheine in Höhe von 3000 Mk. |
1800,- |
|
3. Gehalt an die Hausmannsfamilie bei freier Wohnung |
1000,- |
|
4. Steuern, Versicherungsprämie, Reparaturen, Wasser usw. |
800,- |
|
5. Unvorhergesehenes |
600,- |
|
|
Zusammen Mk. 5000,- |
Es würden also 2000 Mk. von der Einnahme verbleiben, von denen 500 Mk. in einem Reservefonds für alle etwa vorkommenden Fälle gesammelt und 1500 Mk. zum Rückkauf von Anteilscheinen verwendet werden könnten.
Die Mitglieder des „Waldheil“ könnten hiernach ohne besondere Kapitalsanlage nur durch die Mitgliedsbeiträge in ca. 20 Jahren Besitzer des bis dahin schuldenfreien Grundstückes werden, dessen Bodenwert sich inzwischen verzehnfacht haben würde. Da das „Waldheil“ zur Zeit die einzige derartige Anlage in Deutschland sein dürfte, so wird dasselbe hoffentlich auch für andere Großstädte vorbildlich wirken.
Ich würde deshalb vorschlagen, die Anlage in jeder Beziehung mustergültig zu errichten und sich zu diesem Zwecke an unseren Halleschen Kunstgewerbe-Verein zu wenden. Derselbe wird auf Ansuchen gern bereit sein, einen Wettbewerb für den Bebauungsplan sowie für
4 Häuserarten zu 3500, 5000, 7000 und 10000 Mk. und
2 Laubenarten zu 100 und 200 Mk.
auszuschreiben, wenn das „Waldheil“ einige Preise dafür aussetzt. Jedenfalls wird man sich für einen bestimmten, möglichst gut in die Landschaft hineinpassenden Baustil entscheiden müssen, damit das Bild de Waldheils nicht zu bunt wird.
Ein mir befreundetes Mitglied des Heide-Vereins, Herr Architekt Boecke, hier, hat mir mit Rücksicht auf meine gemeinnützigen Bestrebungen drei Entwürfe von Sommer- bezüglich Einfamilienhäusern mit Grundrissen im Preise von 3500, 5000 und 7000 Mk. unentgeltlich für das vorliegende Rundschreiben angefertigt, ebenso die nachfolgend abgebildete Gesamtansicht des „Waldheils“ und den Bebauungsplan.
Dies alles, sowie den Heideplan füge ich hauptsächlich deshalb an, um meine vorstehenden Ausführungen für den Laien verständlicher zu gestalten; ich will jedoch nicht unerwähnt lassen, daß sich Herr Architekt Boecke bereit erklärt hat, die entworfenen Häuser zu den angegeben Preisen auszuführen. Unter der Hand habe ich bereits einige Mitglieder geworben, die, was ganz besonders wesentlich ist, ehrenamtlich zur Mitarbeit bereits sind. Es sind dies:
Herr Kaufmann Birke, der bekannte Wegewart des Heide-Vereins, der die Beaufsichtigung des Grundstücks und der Arbeiten übernehmen will,
Herr Architekt Boecke, als ehrenamtlicher Sachverständiger in Bausachen,
Herr Kaufmann Johannes Kralle, als Sachverständiger für die Wasserleitungsanlagen,
Herr Notar und Rechtanwalt Meyer, als juristischer Beirat, und
Herr Inspektor des Botanischen Gartens Adolf Oertel, als Leiter der waldartigen Anpflanzungen.
Zum Schluß erkläre ich mich zu näheren mündlichen Auskünften gern bereit, bitte aber von schriftlichen Anfragen absehen zu wollen, da deren Beantwortung meine Zeit zu sehr in Anspruch nehmen würde.
Mit Waldheil!
Franz Tittel, Juwelier,
Schmeerstraße 12
Stadtarchiv Halle, Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 - 1936
Vor dem ersten Weltkrieg
1909 hatte der Hallenser Juwelier Franz Robert Tittel zur Gründung einer Lauben- und Sommerhauskolonie direkt am Rand der Dölauer Heide bei Lieskau aufgerufen. Den Widerständen der Lieskauer Gemeindevertretung und des Gemeindekirchenrates zum Trotz wurde 1910 vom Kreisausschuss des Saalkreises die erste Baugenehmigung für die Errichtung eines Wohnhauses auf dem Gelände der Kolonie Waldheil erteilt. Der Aufbau der Kolonie kam allerdings nur langsam voran. Das ursprünglich sehr feuchte Gelände war durch den Bergbau in Nietleben entwässert worden und war nun sehr trocken. Der heiße Sommer von 1911 erschwerte die Arbeiten, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Wasserleitung gab. So existierten ein Jahr nach dem Baubeginn nur einige Lauben und kleine Gartenhäuschen in den abgegrenzten Parzellen.1912 wurde die Kolonie schließlich an die Wasserversorgung durch das Dölauer Wasserwerk angeschlossen.
Zwischen den Weltkriegen
Der erste Weltkrieg verhinderte einen schnelleren Ausbau der Kolonie. Die Lebensmittelknappheit ließ die Kolonie zur „Gemüsekolonie“ werden. Auf dem Gelände wurden Kohl, Hülsenfrüchte und Salat angebaut. Um sich die Bewirtschaftung zu erleichtern, wurden gemeinschaftlich Gerätschaften angeschafft. 1920 gab es 21 Hausbesitzer in der Kolonie, die alle aus Halle stammten. Sechs Jahre später wurde das Areal an das Stromnetz angebunden, so dass nun auch endlich elektrisches Licht vorhanden war. Im Volksmund erhielt die Siedlung den Beinamen "Tittelei" nach ihrem Gründer.
1928 erfolgte durch den Verkauf weiteren Ackerlandes eine Erweiterung des ursprünglichen Geländes der Kolonie Waldheil über das Vereinsgelände hinaus. Der heutige Fliederweg wurde u. a. an mehrere Einwohner aus der Ludwigstraße in Halle verkauft. Die benachbarten Familien Raue, Portius und Dinger zogen wieder als Nachbarn in die Kolonie Waldheil um. Ihre Grundstücke befinden sich auch heute noch in Familienbesitz. Im Gegensatz zum Gelände des Vereins Waldheil waren die neuen Grundstücke nicht an die Wasserversorgung angeschlossen, so dass die Anwohner sich selbst Brunnen anlegten. Durch das wegen des Braunkohleabbaus stark gefallene Grundwasser musste bis in eine Tiefe von 16 m gegraben werden. Die Familie Petrich betrieb ihren Brunnen durch ein Windrad, welches schon von weitem sichtbar war. Der Anschluss an die Wasserversorgung erfolgte erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Anwohner in mühsamer Eigenarbeit einen Schacht vom Grundstück der Familie Dinger bis zum Eichenweg legten. Viel Mühe musste auch auf die Urbarmachung des sandigen Geländes verwendet werden.
Franz Robert Tittel hatte zwar bereits in seinem Aufruf zur Gründung der Kolonie Waldheil im Jahre 1909 von der Einrichtung einer Gaststätte gesprochen, seine Planungen wurden jedoch erst zum Pfingstfest 1931 realisiert. In einem 1912 erbauten Familienwohnhaus am Köllmer Weg entstand direkt gegenüber dem Heiderand die Restauration „Waldheil“. Das Lokal wurde zu einem beliebten Ausflugslokal. Während der DDR-Zeit wurde es von der Handelsorganisation geführt und ist seit 1990 nicht mehr in Betrieb.
Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges durften keine Neubauten mehr errichtet werden. Lediglich die im Bau befindlichen Vorhaben durften beendet werden. Das Waldheilgelände diente nun auch für militärische Zwecke. So wurde die Gaststätte Waldheil von 1943 bis 1945 als Militärlager für Lehrfilme und Vorführgeräte genutzt. Die Filmrollen wurden nach dem Krieg im Wald zerstreut und gefährdeten als explosives Material die Umwelt. Ab 1944 wurden beim Gelände der Kolonie Waldheil militärische Luftwaffenmaschinen und Fahrzeuge abgestellt, die aufgrund von Treibstoffmangel nicht weiter betrieben werden konnten.
Nach dem zweiten Weltkrieg
Bis 1945 bildete die Kolonie Waldheil ein abgeschlossenes Gelände und war durch zwei Tore streng von seiner Umgebung abgetrennt. In der Nachkriegszeit dienten die Lauben als Unterkünfte für Vertriebene und später ebenfalls für Umsiedler. Ab 1946 lebte auch die Ehefrau des Sohnes von Franz Robert Tittel mit ihren Kindern in der Wohnlaube der Familie Tittel, nachdem sie die Hallenser Wohnung aufgeben mussten. Um weitere notdürftige Wohngelegenheiten zu schaffen, wurden Eisenbahnwaggons auf dem Gelände aufgestellt. Einer dieser Waggons befindet sich auch heute noch an seinem Standort.
Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielten die Straßen des Waldheilgeländes eigene Namen. Die Straßenverhältnisse und die Verkehrsanbindung blieben lange Zeit notdürftig. Es gab keine befestigte Straßen in der Kolonie. Ausbesserungen führten die Anwohner in Eigenarbeit durch. Zweimal jährlich nutzte die sowjetische Armee die Dölauer Heide für Manöver, was zu schwierigen Straßenverhältnissen im Zufahrtsbereich zum Waldheilareal führte. Eine Anekdote berichtet, dass man in die entstandenen Schlaglöcher ein zehnjähriges Kind hineinstellen konnte, von dem nur noch der Kopf zu sehen war. 1971 schickte der Anwohner Joachim Raue eine Eingabe an den damaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht mit dem Vorschlag, die 12 m breite Straße so zu unterteilen, dass zumindest für den zivilen Verkehr ein befestigter Fahrstreifen von 4 m Breite geschaffen werden konnte. Der Eingabe waren entsprechende Fotografien über den desolaten Zustand beigefügt. Die mit dem Bürgermeister von Lieskau und der Ortsparteileitung abgestimmte Eingabe zeigte schon bald Erfolg, und die Kolonie Waldheil erhielt im Folgejahr endlich eine befestigte Zufahrtsstraße.
Während viele Einzelheiten der Bebauung durch die Pläne von Franz Robert Tittel genauestens vorgegeben wurden, z. B. die Bepflanzung des Randes der Grundstücke, wurden nur wenige Details der Planung tatsächlich realisiert. Die Originalbauten sind heute stark verändert. Die Bäume auf dem Grundstück von Franz Robert Tittel standen in der DDR sogar unter Naturschutz. Der 1909 gegründete Verein Waldheil e.V. hatte sich im Jahre 1947 aufgelöst. Im Jahre 2000 wurde die Tradition mit der Gründung einer Interessengemeinschaft von Anwohnern der Kolonie Waldheil neu belebt.
Quellen:
Gespräche mit Anwohnern der Kolonie Walheil
Schenken, Herbergen und Hotels in Alt-Halle: Ausflugsziel „Waldheil“
In: Liberal-Demokratische Zeitung. Ausgabe Halle. – Halle, Saale. – 42 (1987), Nr. 141 vom 17.6.1987
Schultze-Galléra, Siegmar von:
Kolonie "Waldheil" bei Lieskau
In: Der Heide-Bote. – 8 (1934), Nr. 43 vom 25.10.1934
Tittel, Franz Gerhard:
Zur Geschichte des Golschmiedebetriebes Juwelier Tittel - Halle. - Halle, [ca. 1958]. - Stadtarchiv Halle: Nachlass Franz Robert Tittel
Insgesamt war das Gelände des Vereins in 200 Parzellen unterteilt, die jeweils zur Hälfte für Sommerhäuser und für Gartenlauben vorgesehen waren, wobei die Mitglieder auch mehrere Parzellen erwerben konnten. 1912 wurde das erste Wohnhaus, eine Villa, errichtet. Der Erbauer musste bei der Gemeinde Lieskau für entstehende zusätzliche Gemeindelasten 500 Mark als Kaution hinterlegen. Die ursprünglich von der Gemeinde geforderte Summe von 10800 Mark hatte im Vorfeld für heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Verein und der Gemeinde geführt.
Lage- und Höhenplan VorstandVorstandsmitglieder:
Cornelia Pieper, MdB
Steffen Dochow
Dr. Werner Hannemann
Christoph Pelliccioni
Carsten Spickermann
Architektenentwürfe für die Kolonie Waldheil
Das Anschreiben von Franz Robert Tittel, in welchem er zur Gründung des Vereins Waldheil e.V. aufrief, enthielt bereits detaillierte Pläne und Entwürfe des Architekten Boecke zur Gestaltung der Kolonie.
Bitte klicken Sie auf das jeweilige Bild, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten.
Quelle:
Stadtarchiv Halle: Vereine Nr. 269: Waldheil 1909 – 1936

Am 17./18. Juli 2009 feierten die Bewohner der "Kolonie Waldheil" und des gesamten Ortes Lieskau mit ihren
Gästen aus nah (Saalekreis, Halle) und fern (Berlin u. a.) das 100-jährige Bestehen. Gemeinde und Bürger
ehrten den Initiator Franz Robert Tittel mit einem Gedenkstein an der Kreuzung Waldheil/Köllmer Weg.
An jedem der beiden "Festtage" wurden jeweils über 400 Besucher gezählt.
Zur Geschichte entstand mit freundlicher Unterstützung des Landkreises Saalekreis das Buch
"100 Jahre Waldheil" (erhältlich beim Verein IG Waldheil, im Buchhandel und bei Amazon).
100 Jahre Waldheil in Lieskau
Am 17./18. Juli 2009 feiern die Bewohner der „Kolonie Waldheil“ das 100-jährige Bestehen der Siedlung. Dazu laden sie alle Lieskauer und die Gäste aus den umliegenden Gemeinden und der Stadt Halle herzlich ein.
Die Geschichte der „Kolonie Waldheil“ begann im Jahre 1909 mit dem schriftlichen Aufruf des Hallenser Juweliers und Vorsitzenden des Heide-Vereins Franz Robert Tittel zur Errichtung einer Laubenkolonie am Rande der Heide. Inspiriert durch die neu entstandene „Gartenstadtbewegung“ und Vorbilder im thüringischen Rudolstadt entwickelte er die Idee, auch für die Hallenser Bürger eine stadtnahe Erholungsstätte in der Natur zu schaffen.
Informationen zum „Waldheil“ sind im Internet unter www.ig-waldheil.de zu finden.
Nicht nur der Gründer F. R. Tittel soll geehrt werden. Im engen Zusammenwirken von Vereinen und interessierten und engagierten Bürgern soll an den zwei Tagen auch ein abwechslungsreiches Programm gestaltet werden. Aufgerufen ist bereits zu einem Fotowettbewerb – hier können alle helfen, die Entwicklung des Waldheils noch besser zu dokumentieren. Bis zum 28.03. können „alte“ und „neue“ Fotos, die die Entwicklung des Waldheils dokumentieren, beim Organisationskomitee abgegeben oder per E-Mail an info@ig-waldheil gesandt werden. Die besten Fotos werden veröffentlicht und prämiert.
Über Ideen und Vorschläge aller interessierten Bürger und Vereine freut sich das Organisationskomitee unter Leitung von Herrn Augenoptikermeister Adolf Waurick (Erlenweg 5, Tel. 5511690 oder info@ig-waldheil.de).
Amtsblatt vom 05.03.2009100 Jahre Waldheil in Lieskau
Wenn die Bewohner des Waldheils gemeinsam mit allen Einwohnern der Gemeinde Lieskau, den Besuchern aus allen Orten der künftigen Einheitsgemeinde, dem Landkreis Saalekreis und der Stadt Halle am 17./18. Juli 2009 das 100-jährige Bestehen der Siedlung feiern, schauen sie auch zurück, was seit 1990 entstanden ist.
40 neue Einfamilienhäuser wurden gebaut und viele Häuser modernisiert. Wasser-, Abwasser-, Gas- und Telefonleitungen wurden verlegt. Die Verbindungsstraße zwischen dem Waldheil und dem Ortskern ist eine Prachtallee mit Linden auf der Westseite und einem beleuchteten Fußweg auf der Ostseite.
Lebten 1990 nur 128 Einwohner im Waldheil, sind es im Jahr 2009 inzwischen 247. Und wen es interessiert: der Altersdurchschnitt liegt unter 48 Jahren.
Der Fotowettbewerb ist gestartet, die ersten Bilder sind im Internet eingestellt. Hier können alle helfen, die Entwicklung des Waldheils noch besser zu dokumentieren. Bis zum 28.03. können „alte“ und „neue“ Fotos, die die Entwicklung des Waldheils dokumentieren, beim Organisationskomitee abgegeben oder per E-Mail an info@ig-waldheil.de gesandt werden. Die besten Fotos werden veröffentlicht und prämiert.
Informationen zum Waldheil und zur 100-Jahrfeier sind zu erhalten
Das Organisationskomitee der 100-Jahrfeier unter Leitung von Herrn Augenoptikermeister Adolf Waurick ist zu erreichen: Tel. 5511690 oder info@ig-waldheil.de).
Mitteldeutsche Zeitung vom 19.03.2009 Siedlung Waldheil feiert Jubiläum
Juwelier aus Halle legte vor 100 Jahren mit Vereinsbildung in Lieskau den Grundstein. Vorbild für den Schöpfer war die Rudolstädter Stadtrandoase. Das älteste Haus im Fliederweg ist immer noch bewohnt...
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www.mz-web.de vom 18.03.2009Siedlung Waldheil feiert Jubiläum
Juwelier aus Halle legte vor 100 Jahren mit Vereinsbildung in Lieskau den Grundstein
VON KORNELIA PRIVENAU, 18.03.09, 15:59h, aktualisiert 18.03.09, 19:53h

Das heute älteste Haus der Heiderand-Siedlung Waldheil in Lieskau ist immer noch bewohnt. (FOTO: JAN MöBIUS)
LIESKAU/MZ. Im Juli wird in der Gemeinde Lieskau gefeiert. Kein übliches Dorf- oder Sommerfest, es geht vielmehr um ein besonderes Jubiläum: Die Siedlung Waldheil wird 100 Jahre alt. Bürgermeister Harald Schubert (parteilos): "Wir wollen beim Fest einen Gedenkstein für den Schöpfer aufstellen." Organisatoren des Festes sind der Bürgerverein Lieskau und die Interessengemeinschaft Waldheil. Die Idee, eine Kolonie am Waldrand zu schaffen, hatte der Juwelier Franz Robert Tittel (1860-1936) aus Halle. Eine Gartenstadt für gestresste Großstädter - als Vorbild sah Tittel die Rudolstädter Gartenstadtbewegung, mit der er sich intensiv beschäftigte. 1909 lud Tittel Gleichgesinnte zur Gründung des Vereins "Waldheil" ein. Im Stadtarchiv Halle lagern der Nachlass Tittels und umfangreiches Material über das Werden und Wachsen der Waldsiedlung. Auf diese Quelle greifen auch die Mitglieder des aktuellen Vereins zurück, die die Jubiläumsfeiern im Juli vorbereiten.
Gute Vorarbeit geleistet
1910 / 11 gab es die ersten Bauanträge von Hallensern. Tittel hatte gute Vorarbeit geleistet. Er hatte nicht nur den Zweck, an der Heide eine Sommer- und Laubenniederlassung zu bauen, ausführlich erklärt. Der Juwelier sorgte auch dafür, dass den Interessenten der Erwerb preisgünstigen Baulandes ermöglicht und verschiedene Architektenentwürfe für die Lauben und Häuser zugänglich wurden.
Bereits 1910 wurde die erste Baugenehmigung erteilt - obwohl, wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, der damalige Gemeinderat Sturm lief gegen das Projekt. Die Erschließung allerdings zog sich dann auch hin.
Das Vereinsgelände bot rund 200 Parzellen. Jeweils die Hälfte wurden als Bauplätze für Lauben und Gartenhäuser genutzt. Ausdrücklich war eine Vereinbarung getroffen worden, dass Vereinsmitglieder auch mehrere Parzellen erwerben durften. Das erste Wohnhaus, eine Villa, wurde 1912 gebaut. Der Erbauer musste bei der Gemeinde Lieskau eine Kaution in Höhe von 500 Mark hinterlegen.
Während der Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde nicht gebaut. Jetzt entwickelte sich die Waldsiedlung praktisch zu einem großen Obst- und Gemüsegarten. Die Siedler versorgten Familien und Freunde. Kohl, Hülsenfrüchte, äpfel und Kartoffeln waren am begehrtesten. Für den Gemüsebau sind laut überlieferung sogar gemeinschaftlich Gartengeräte angeschafft worden.
Zwei Jahre nach Kriegsende gab es immerhin schon 21 Hausbesitzer in der Kolonie. Aber es mussten noch sechs Jahre vergehen, ehe die Siedlung elektrisches Licht bekam. An die Wasserversorgung durch das Werk in Dölau war das Waldheil dagegen schon 1912 angeschlossen worden.
Brunnen wurden gegraben
Die Siedlung wuchs weiter. Die Nachfrage nach Bauland war groß, so dass über das ursprüngliche Vereinsland hinaus gepachtet wurde. Im Gegensatz zum Gelände des Vereins waren die "Neuen" nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen. Die Siedler krempelten die ärmel hoch, gruben sich in gegenseitiger Hilfe Brunnen, zum Teil bis zu 16 Metern tief. Erst in den 60er Jahren erfolgte ein Anschluss an die zentrale Wasserversorgung. Das heute älteste Haus der Siedlung Waldheil ist bewohnt, steht im Fliederweg und trägt noch die typischen architektonischen Merkmale. Die einst beliebte Ausflugsgaststätte mit dem Namen Waldheil dagegen ist eine Ruine.
Sonntags Nachrichten vom 10.05.2009100 Jahre Siedlung "Waldheil"
Nachdem schon im 19. Jahrhundert die Heide zunehmend für die Stadt Halle als Wochenenderholungsgebiet an Bedeutung gewonnen hatte und in der Saalestadt im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung immer weniger Gärten und Freiflächen zur Erholung zur Verfügung standen, war es nur eine Frage der Zeit, dass sich naturverbundene Hallenser dem Großstadtlärm und zunehmenden Luftverunreinigungen durch Flucht in die Umgebung von Halle zu entziehen versuchten.
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Sonntags Nachrichten vom 17.05.2009100 Jahre "Waldheil": Schwierige Zeiten...
Während der vier Jahre des Ersten Weltkrieges hatte der Lieskauer Verein Waldheil mit zahlreichen Problemen zu kämpfen, und die Bautätigkeit sowie der Verkauf der noch freien Parzellen kamen praktisch zum Erliegen. Daher hatte der Verein zeitweilig beträchtliche Schulden und musste einige Grundstücke unter dem eigentlichen Verkaufswert veräußern.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 11.06.2009Gesprächsabend
LIESKAU/MZ - Heute sind Geschichtsinteressierte um 19 Uhr in das Café Liesegang in der Gemeinde Lieskau eingeladen. Es gibt einen Gesprächsabend zum Jubiläum "100 Jahre Waldheil". Neben Episoden werden auch Luftbilder vorgestellt.
Amtsblatt vom 25.06.2009Festprogramm "100 Jahre Waldheil"
Anlässlich des runden Geburtstages des Waldheils finden eine Vielzahl von Veranstaltungen statt. Neben dem „ofiiziellen“ Programm präsentieren sich während der gesamten Feierlichkeiten die ortsansässigen Vereine.
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Sonntags Nachrichten vom 12.07.2009100 Jahre: Waldheil feiert
LIESKAU (fs). Genau 100 Jahre ist es her, dass der hallesche Juwelier Franz Robert Tittel (1860 - 1936) den Verein "Waldheil" gründete und damit gewissermaßen den Grundstein für die spätere Garten- und Laubenkolonie "Waldheil" legte. Initiiert von der vor neun Jahren gegründeten "Interessengemeinschaft Waldheil" soll das Jubiläum am nächsten Freitag und Samstag gewürdigt und gefeiert werden.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 17.07.2009Siedlung in Lieskau wird 100 Jahre alt
LIESKAU/MZ/KPR Vor 100 Jahren wurde die Siedlung Waldheil in Lieskau gegründet. Dieses Jubiläum soll mit einem zweitägigen Feestprogramm gewürdigt werden, das heute mit der Aufstellung eines Gedenksteines beginnen soll.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 20.07.2009Siedlung feiert Jubiläum mit Musik
LIESKAU/MZ/JAM - Mit zwei zünftigen Festtagen wurde am Wochenende in der Saalekreis-Gemeinde Lieskau bei Halle der 100. Geburtstag der Siedlung Waldheil gefeiert. Vor allem mit viel Musik unterschiedlichester Art wurde das Jubiläum begangen, an das künftig auch ein Gedenkstein erinnern soll.
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Amtsblatt vom 06.08.2009100 Jahre Waldheil
Am 17. und 18. Juli feierten die Bürger aus Lieskau und Umgebung das 100-jährige Bestehen der Siedlung Waldheil.
Das Fest war ein voller Erfolg. An jedem der beiden Tage waren über 400 Gäste anwesend und nahmen teil an einem bestens organisierten und durchgeführten Festprogramm.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 28.08.2009Geschichte soll lebendig bleiben
von Kornelia Privenau
Schriften über Kloschwitz und Lieskau sind unterhaltsam und informativ
SAALEKREIS/MZ - Immer mehr Gemeinden, Vereine oder Interessengemeinschaften nehmen Jubiläen zum Anlass, ihre Chroniken aufzuarbeiten, Festschriften zu verfassen oder ganze Bücher schreiben zu lassen.
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Sonntags Nachrichten vom 04.10.2009Aus Anlass des 15-jährigen Bestehens der "SonntagsNachrichten" veröffentlichten die SonntagsNachrichten am 04.10.2009 Schlagzeilen seit 1994, also auch aus den Jahren 1999 und 2000.
Für das Jahr 2000 wurde u. a. folgende Nachricht veröffentlicht:
"Wie in Schilda!": Im Lieskauer Orsteil Waldheil protestierte eine Interessengemeinschaft (hier ist die IG Waldheil gemeint) gegen den Straßenausbau. Aus Kostengründen sollte die Straße schmaler als ursprünglich ausgebaut werden. Daraufhin kündigte die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) die Einstellung des Busverkehrs an.
Für diese und alle anderen Schlagzeilen bitte das Bild anklicken.
Amtsblatt vom 04.03.201010 Jahre Interessengemeinschaft Waldheil
Nach den Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Siedlung Waldheil richtet die Interessengemeinschaft Waldheil anlässlich ihres Bestehens am 19. Juni 2010 wiederum ein Fest aus.
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Amtsblatt vom 15.04.201010 Jahre Interessengemeinschaft Waldheil
Mit einem Festprogramm für alle kleinen und großen Einwohner feiert die IG Waldheil am 19. Juni 2010 ihr 10-jähriges Bestehen. Freuen Sie sich ab 10:00 Uhr auf ein "rundes Programm" mit
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Für den gesamten Text bitte das Bild anklicken.
Amtsblatt vom 10.06.2010Das Programm zum 10-jähriges Bestehen der IG Waldheil steht!
Am 19.06.2010 wird am 10:00 Uhr kräftig gefeiert - am Abend vorher freuen sich alle Kinder, Eltern und Großeltern aus Lieskau und Umgebung auf dem Lampionumzug - Start ist 19:00 Uhr am Trafohäuschen im Waldheil.
Für das komplette Programm bitte das Bild anklicken.
Amtsblatt vom 05.08.201010 Jahre IG Waldheil e. V. - ein toller Erfolg
Mit einem Festprogramm für alle kleinen und großen Einwohner feierte die IG Waldheil am 18./19. Juni ihr 10-jähriges Bestehen. Eröffnet wurde das Fest mit einem Grußwort unserer Bürgermeisterin, Frau Juliane Sperling.
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Amtsblatt vom 02.09.2010Die IG Waldheil informiert
Am 12.09.2010 findet um 14:00 Uhr die nächste Veranstaltung
und am 28.09.2010 treffen wir uns um 19:30 Uhr zum
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Mitteldeutsche Zeitung vom 28.09.2010Havag stellt Buslinie nach Lieskau ein
Nahverkehr: Omnibusbetrieb Saalkreis soll mit abgespeckter Variante einspringen. IG Walheil organisiert Bürgerversammlung für den Erhalt der Verbindung.
In Lieskau läuft der Countdown: Nur noch bis zum 12. Dezember wird es die Buslinie 41 der Halleschen Verkehrs AG (Havag) in dem Dorf an der Dölauer Heide geben.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 14.10.2010Lieskauer wollen Bus nach Halle
Auf einer Bürgerversammlung wird vehement ein Ersatz für die Havag-Linie 41 gefordert.
Der Gasthaus-Saal war brechend voll, trotz eilends herbeigeholter zusätzlicher Stühle mussten etliche Lieskauer stehen.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 02.11.2010Kampfansage aus Lieskau
Verhandlungsführerin der Kommune kündigt harte Gangart an. Ziel sind mehr Busse nach Halle. Bisheriges OBS-Konzept gibt Anlass zu Befürchtungen.
LIESKAU/MZ - Wird Lieskau abgekoppelt? Diese sorgenvolle Frage treibt die Einwohner des Heidedorfes immer mehr um, je näher der angekündigte Umstellungstermin im Busverkehr rückt.
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Amtsblatt vom 11.11.2010Neuregelung des Busverkehrs im Saalekreis
Sehr geehrte Einwohnerinnen und Einwohner,
wie Ihnen aus den letzten Amtsblättern bereits bekannt ist, fanden mehrere Verhandlungen mit dem Landkreis Saalekreis, OBS und der Gemeinde Salzatal, Ortschaft Lieskau statt, so auch am 05. November 2010.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 18.11.2010Lieskauer fühlen sich von Halle verschaukelt
NAHVERKEHR: Bürgermeisterin Sperling attackiert die HAVAG. Der Omnibusbetrieb Saalkreis präsentiert seinen überarbeiteten Fahrplanentwurf und erhält Beifall
LIESKAU/MZ - Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Lieskauer am Dienstagabend auf ihrer Einwohnerversammlung zur künftigen Busverbindung nach Halle.
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Mitteldeutsche Zeitung vom 15.02.201111. Gesundheitstag in Lieskau
Thema: Schnarchen
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Amtsblatt vom 13.04.201012. Gesundheitstag in Lieskau - Erste Hilfe
Der 12. Gesundheitstag im Cafè Liesegang am 02. März 2011 zum Thema "Erste Hilfe" war ein voller Erfolg.
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Vorbereitung der Vereinsgründung
vom 28. Juni 1909


vom 06. Juli 1909

Beiblatt zu Nr. 296 der Saale-Zeitung vom 28.06.1909
Beiblatt zu Nr. 310 der Saale-Zeitung vom 06.07.1909
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Alle haben durch ihr Engagement zum Gelingen unserer 100-Jahr-Feier beigetragen.
Ein ganz besonderer Dank geht an
Schaut Euch auf den nachfolgenden Seiten die Impressionen an - und wenn Ihr auch schöne Bilder habt - sendet sie bitte an info@ig-waldheil.de, wir ergänzen gern.
Das Buch 100 Jahre Waldheil
| Buchtitel: | 100 Jahre Waldheil |
| ISBN: | 978-3-98112508-1-7 |
| Preis: | 10,00 € |
erhältlich bei
- der IG Waldheil (per E-Mail: info@ig-waldheil.de, Telefon: 0345 5508205 oder persönlich)

100 Jahre Waldheil Veranstaltungen
Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie einige Bilder unserer Veranstaltungen.

Hier finden Sie alle bisherigen Veranstaltungen, die wir durch die freundliche Unterstützung der
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durchführen können.
Einmal im Quartal führen wir unsere Reihe "Kinder lesen in Lieskau" durch.
Ebenso veranstalten wir 4 x pro Jahr unsere "Gesundheitstage".
Informieren Sie sich unter "Termine" über die nächsten Veranstaltungen.
1. Gesundheitstag am 05.11.200816:00 - 18:30 Sehtest
mit Augenoptikermeister Andreas Waurick
19:00 - 20:30 Inkontinenz
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Andres Melchior
Krebsvorsorge beim Mann - Sinn und Unsinn des PSA-Testes
Vortrag und Diskussion mit Dr. med. Andres Melchior
3. Gesundheitstag am 22.04.2009
Hautkrebs und Hautvorsorge
mit Dozent Dr. med. habil. Claus-Jürgen-Reiß
4. Gesundheitstag am 16.09.2009Vortrag und Gespräche mit Herrn Dr. med. Andres Melchior
"Fühlen Sie sich schlapp?"
Testosteron und die Auswirkung auf den "ganzen" Mann
5. Gesundheitstag am 21.10.2009Mach das Beste aus Dir!
Die Brille - Ihr persönliches Schmuckstück komplettiert mit einem eindrucksvollen Augen-Make-up
mit Augenoptikermeisterin Annett Waurick und Kosmetikerin Rita Kuche
7. Gesundheitstag am 20.04.2010Aktuelle Behandlungsmethoden des Prostata-Karzinoms
Vortrag und Diskussion mit Herrn Dr. med. Andres Melchior
6. Gesundheitstag am 09.03.2010Mein Haustier
Diskussionsrunde mit Herrn Dr. med. vet. Werner Rust
Lesung am 15.03.2009Dr. Hannemann las aus der "Brockenhexe Neunmalklug".
Lesung am 11.10.2009Unter dem Motto "Kinder lesen für Kinder" fand die zweite Lesung statt.
Lesung am 13.12.2009Unter dem Motto "Kinder lesen Weihnachtsgeschichten" fand die dritte Lesung statt.
Als Dankeschön bekamen alle Lesekinder "Die Brockenhexe Neunmalklug" geschenkt.
Lesung am 21.03.2010 Unter dem Motto: "Mein schönstes Märchen" lasen die Kinder wieder in Lieskau Kinder lesenUnter dem Motto "Kinder lesen in Lieskau" veranstaltet die IG Waldheil ein regelmäßiges Event von Kindern für Kinder, Eltern, Großeltern und Freunde der lesenden Kinder.
Die Bilder der Veranstaltungen finden Sie unter "Bildergalerie - Veranstaltungen"
Lesung am 12.09.2010 Unter dem Motto: "Meine liebste Tiergeschichte" lasen die Kinder wieder in LieskauMit einem Festprogramm für alle kleinen und großen Einwohner feierte die IG Waldheil am 19. Juni 2010 ihr 10-jähriges Bestehen.
Gäste aus dem Salzatal, aus dem Mansfelder Land und aus der Stadt Halle erfreuten sich - wie die "Waldheilerinnen und Waldheiler" - an dem schönen Programm.
Hier gilt ein großer Dank allen Sponsoren - vorwiegend den Anwohnern des Waldheils -, die mit ihren Spenden dieses Fest überhaupt erst ermöglichten. Dank gilt aber auch den fleißigen Kuchenbäckerinnen und -bäckern, die über 40 Kuchen (einer schöner als der andere) gebacken haben und für das Fest spendeten (leider fanden alle Kuchen sehr schnell ihre Abnehmer, aber das ist auch der Lohn für den Fleiß!).
Der Dank gilt allen Mitwirkenden (das Programm und die Bilder vom Fest sind auf den nachfolgenden Seiten zu sehen).
Wir danken auch dem Versorgungsteam um Michael Liesegang und den ungarischen Meisterkoch Kovacs)
Bilder der 10-Jahr-Feier
Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen
Alle haben durch ihr Engagement zum Gelingen unserer 10-Jahr-Feier beigetragen.
Ein ganz besonderer Dank geht an
Spielmannszug Großörner
das Orchester unserer "Wiener Melodien" mit Karin Hartung, Sopran; Viola Tepe, Sopran; Jürgen Roscher, Tenor; Karsten Döring, Bariton und am Keyboard: Tino Fiebig,
Frank-den-Zauberer,
die Uni Jazzband Halle, die im 50. Jahr ihres Bestehens das Festzelt zum Toben brachte,
die PARTY DISKOTHEK,
Schaut Euch auf den nachfolgenden Seiten die Impressionen an - und wenn Ihr auch schöne Bilder habt - sendet sie bitte an info@ig-waldheil.de, wir ergänzen gern.
Die Interessengemeinschaft Waldheil e. V. stellt aktuelle Projekte vor null Umnutzung der ehemaligen Gaststätte "Waldheil"
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Dieses Projekt wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Mit Zuwendungsbscheid vom 08.10.2010 erhielt die IG Waldheil e. V. die Möglichkeit, mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Lokales Kapital" (ESF) das Projekt " Schaffung einer Konzeption zum Erwerb, zur Restaurierung und zur Umnutzung der ehemaligen Gaststätte "Waldheil" im Ortsteil Lieskau der Gemeinde Salzatal" zu beginnen (Laufzeit vom 11.10.2010 - 10.07.2011). Projektstand am 20.12.2010 Die Idee, einen historischen Ort der Begegnung und Geselligkeit in einer angrenzenden Naturidylle wieder zu beleben, soll erhalten bleiben. Ein wesentlicher Aspekt für die nachhaltige Nutzung des Objektes Waldheil wäre hierbei der Tourismus. Durch den „Lutherweg“ (Stationen 33-35), des „europäischen Radwanderweges“ und der geplanten Verlängerung der „Weinstraße Mansfelder Seen“ sind hier sehr gute Voraussetzungen gegeben, die es hierbei zu nutzen gilt. 1) Was bisher geschah in 2010? - Recherchetätigkeiten und Sichtung der bestehenden Unterlagen - Kenntnisnahme der Interessen des Vereins IG Waldheil e.V. - Fotografische Aufnahme des Objektes - Ortsbegehungen und aktuelle Zustandsaufnahme - Auswahl und Kennenlernen der studentischen Mitarbeiter - Erstellen eines Arbeitsplanes mit Themengliederung - Beginn der Erarbeitung eines vorläufigen Ideenpapiers 2) Ausblick auf das Jahr 2011 - in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der IG Waldheil e.V. und den studentischen Hilfskräften wird nun intensiv an der Konzepterstellung für die Umnutzung der ehemaligen Gaststätte „Waldheil“ gearbeitet, bis ein innovatives und tragbares Resultat den genannten Parteien vorliegt. Dieses geschieht unter Berücksichtigung von Faktoren, wie: · lokale Bedingungen · Standortvorteile · Referenzen · Chancen und Möglichkeiten, das Potential „Tourismus“ zu steigern; auch im Hinblick auf das Lutherjubiläum 2017 [500 Jahre Thesenanschlag und damit Beginn der Reformation] · Zielgruppenbestimmung · Aspekt der Nachhaltigkeit · etc. Jeder kann mit seinen Ideen dazu beitragen, ein „rundes“ Konzept zu schaffen! Die IG Waldheil bittet um Ihre Anregungen und Hinweise. von Regina Reiprich (Projektbearbeiterin) |
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Dieses Projekt wird gefördert durch die DOW Olefinverbund GmbH. Die Mitglieder der IG Waldheil verfolgen das Ziel, an den Ausblicksorten am LSG "Lößhohlweg" sowie an Wanderwegen (Lutherweg - Stationen 33-35, Radwanderweg, ggf. Verlängerung der Weinstaße Mansfelder Seen) sowie an den Naturlehrpfaden Informationstafeln sowie Bänke aufzustellen. Wanderern soll das Wirken der Unternehmen der Region ("Bildung im Vorübergehen") ermöglicht werden. |